War Jesus schwul?

gestellt von Lukas (nicht der aus dem Evangelium ;) ) am 23. November 2018
Jesus

iStockphoto/Peter Brutsch

Als ich mir die Bibel mal wieder durchgelesen habe, ist mir aufgefallen, dass es ziemlich viele Aspekte gibt, wo man vermuten könnte, dass Jesus auch Beziehungen zu Männern hatte.

Dies lässt sich vor allem im Johannesevangelium vermuten:

Dort gibt es den sogenannten „geliebten Jünger". Er und Jesus haben eine intime Beziehung, auch wenn es Diskussionen gibt, wer eigentlich dieser Jünger ist. Jedenfalls liegt der geliebte Jünger beim letzten Abendmahl auf der Brust Jesu und soll angeblich in seiner „inneren Tunika" sein, wozu wir heute wohl Unterwäsche sagen würden.

Würden Sie das ähnlich auslegen und welche Lektion können wir aus dieser Erzählung lernen, für unsere heutige Zeit?

Hallo Lukas!

Da haben Sie sich ja eine interessante Frage ausgesucht! Und ich glaube, dass sich schon sehr viele Menschen diese Frage gestellt haben. Zum Beispiel der amerikanische Pfarrer Robert Goss, der zu diesem Thema ein Interview für Vice gegeben hat.

Das liegt daran, dass wir uns Jesus gern so menschlich wie möglich vorstellen. Jesus ist ein Vorbild. Das ist er auch darin, wie er sein Leben geführt. Wer selbst queer lebt, wie Robert Goss z.B., möchte auch darin in Jesus ein Vorbild haben: Jesus als prominenter Schwuler.

Andere fragen sich vielleicht eher: Was Jesus verliebt? Hatte er eine Beziehung zu Maria Magdalena? Hatte er vielleicht sogar Kinder? Viele berühmte Bücher und Filme – wie Dan Browns „Sakrileg“ – gehen dieser Frage nach.

Wie Sie selbst gelesen haben, wird im Johannisevangelium vom Lieblingsjünger gesprochen. Beim letzten Abendmahl legt er den Kopf an Jesu Brust (Joh 13,23). Im griechischen steht dort für „Brust“ das Wort „Κόλπος“. Die griechische Redewendung „an der Brust von jemanden liegen“ drückt besondere Nähe aus, eine sehr enge Gemeinschaft. Sexuell ist dieser Begriff nicht gemeint. Auch von der Tunika steht in diesem Vers nichts. Allerdings zieht sich Jesus vor dem Abendmahl bis auf die Unterwäsche aus, um seinen Jünger*innen die Füße zu waschen – danach kleidet er sich aber wieder an (Joh 13,1–12). 

Wer war aber dieser geheimnisvolle Lieblingsjünger? In der Tat gibt es darüber viele Diskussionen. Den Begriff des Lieblingsjüngers gibt es nur im Johannesevangelium. Manche meinen, damit sei Johannes – der Autor des Evangeliums – gemeint. Damit möchte Johannes vielleicht seine besondere Bedeutung hervorheben. Andere sagen, dass jede Christin und jeder Christ Lieblingsjünger*in sein kann. So könne jede*r Gläubige Jesus ganz nahe kommen. Das gilt auch für uns: Wir können im Glauben eine tiefe Beziehung zu Jesus eingehen.

Ich glaube, es ist ganz gut, dass wir nichts Genaues über Jesu Sexualität sagen können. So kann jede und jeder sich ein eigenes Bild machen. So ist er ein Vorbild für alle Christinnen und Christen, egal ob hetero oder homo, ob straight oder queer. Und auch für uns heute ist es wichtig, dass wir diese Vielfalt an Lebensformen als Christ*innen leben können.

 

Beste Grüße,

Johanna Klee

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Kommentare

Wir wisse nicht vieles Menschliche von Jesus nicht: wir wissen nicht, ob er sich täglich gewaschen hat, ob seine Verdauung funktionierte, ob er allein geschlafen hat, wie schwer er war, ob er im Sitzen oder im Stehen gepinkelt hat, ob er regelmäßig gebetet hat, wie lange er geschlafen hat usw. usw. Warum muß man sich so doll Gedanken darüber machen, ob er schwul war. Allein sein Wort ist für uns wichtig, alles übrige ist Spekulation.

Herzlichen Dank für den Kommentar. Offensichtlich hat den Fragestellung diese Frage interessiert. Aber in der Tat wissen wir sehr wenig über Jesus.

Rein nichts, absolut nichts gegen Meinungsfreiheit! - Aber es reicht schon wenn die Medien, allen voran eine Zeitung mit "Vier Buchstaben", über lebende Persönlichkeiten herziehen und diese in den Dreck ziehen. Als Boris Becker noch DER Held der Nation war, gab's kein Ende mit Lob, Jubel. Seit Herr Becker offenbar nicht mehr dermaßen glänzendes Vorzeigeobjekt der Nation ist, wird er, wo immer möglich, abgekanzelt. Ich finde es aber trotz besagter Meinungsfreiheit alles andere als angebracht, sich über Gott -und Jesus gehört schließlich zur Trinitas- dermaßen zu äußern!

Lasst uns Christen unseren Glauben und somit ohne solche Kommentare, wie wir anderen Religionen ihren lassen.

Danke für Ihren Kommentar. Wir beantworten alle Fragen, die uns auf evangelisch.de erreichen aus unserer christlichen - evangelischen - Perspektive.

Ich vermisse an dem Beitrag von Frau Klee einen Deutungsansatz, der sich an der Zeit Jesu orientiert. z.b. dass es sich um eine patriarchalische Gesellschaft gehandelt hat und Männergemeinschaften eine übliche Lebensform waren. Gleichzeitig hat Jesus aber in der Weise, wie er Frauen gewürdigt hat, die konventionellen Schranken immer wieder durchbrochen. Das bildet sich auch im Maria Magdalenathema ab. Vieles verbindt sich aber mit der Frage: In welcher Weise glauben wir, war Gott in Jesus gegenwärtig?

Herzlichen Dank für den Kommentar. Richtig, Jesus lebte in einer patriarchal geprägten Gesellschaft. Das ist der Grund, warum vor allem von Jüngern die Rede ist. Aber es gab auch Jüngerinnen (Lk 8,1-3) und Apostelinnen. Letztendlich glaube ich, dass Jesus wahrer Mensch und wahrer Gott war. Er war Mensch mit allem, was zum Menschsein dazugehört. Ob das aber beinhaltete, mehr als freundschaftliche Beziehungen zu Menschen zu haben, lässt sich daraus nicht herleiten.

Was würden Familienstand, Kinder oder die sexuelle Orientierung an Jesu Kernbotschaft ändern? Hm??
Eine Frau und Kinder oder sonst einen auch körperlich geliebten Menschen würde ich Jesus von Herzen gönnen bzw. ihm sehr wünschen, dass im dieses Glück geschenkt wurde.

Herzlichen Dank für Ihren Kommentar!

Jesus ist vom Himmel gekommen. Himmlische, göttliche Liebe ist ohne sexuelle Handlung. JESUS wurde von der Jungfrau Maria geboren. Agape ist die bedingungslose Liebe Gottes zu seinen Geschöpfen. Wie der Vater seine Kinder liebt, so liebt Jesus uns. Diese Liebe ist größer als erotische Liebe, die nur von Pubertät bis Wechseljahre andauert. Als Kinder haben wir keine erotische Liebe und vom Sterben ist die weg. Erotische Liebe idt vergängliche Liebe...AGAPE... Die göttliche, ewige Liebe ist ewig. Gott liebet SEINE Geschöpfe, aber hasst die Sünde. Die Sünde ist wenn man gegen den Schöpferplan handelt. Die Sünde macht unglücklich und sterblich. Darum ist die Sexualität zwischen Mann und Frau von GOTT geplant, aber andere sexuelle Triebe nicht. Es fehlt die Familie, die bei der Mann und Frau laut Schöpfung entsteht. Familie ist Glück auf Erden. Homosexuellität macht die Menschen nicht glücklich, weil die keine Agape Liebe , göttliche Liebe tragen. Sie dürfen jeder Zeit zu Jesus kommen und Jesus macht sie frei und glücklich. Es gibt viele Zeugnisse von Homosexuellen Menschen, die zu Jesus fanden und von ihren Sünden befreit wurden. Egal welche Sünden, Jesus kann alles. Ich hatte 1000 andere und wurde glücklich, weil ich befreit wurde. JESUS liebt den Homosexuelle, aber hasst die Sünde. Kommt zu Jesus noch heute..

Danke für Ihre Meinung, Angelikaa. Ich sehe das, wie Sie lesen konnten, aus einer anderen Perspektive. Übrigens, Jesus hatte ein klares Verhältnis zur Familie: Es lehnte den herkömmlichen Familienbegriff ab. Für ihn war Familie der Kreis, der ihm und seiner Frohen Botschaft folgte. Seine leibliche Familie interessierte ihn höchst wenig. Schauen Sie einmal hier:

"Und es kamen seine Mutter und seine Brüder und standen draußen, schickten zu ihm und ließen ihn rufen. Und das Volk saß um ihn. Und sie sprachen zu ihm: Siehe, deine Mutter und deine Brüder und deine Schwestern draußen fragen nach dir. Und er antwortete ihnen und sprach: Wer ist meine Mutter und meine Brüder? Und er sah ringsum auf die, die um ihn im Kreise saßen, und sprach: Siehe, das ist meine Mutter und das sind meine Brüder! Denn wer Gottes Willen tut, der ist mein Bruder und meine Schwester und meine Mutter." (Markus 3,31-35)

zum Kommentar von Hildtrud:
Es würde ändern, dass die offiziellen Kirchen ihre Haltung zu Homosexualität überdenken bzw. ändern müssten! Und in ihr vielleicht endlich nicht mehr eine Bedrohung des "christlichen" Familienbildes (das wird meiner Meinung nach wesentlich mehr durch globale ökonomische Entwicklungen, zunehmenden Wettbewerb und aus der Angst geborene Abwehr bedroht!) sehen würden, sondern eine von Gott biologisch angelegte Neigung, deren liebevolles, partnerschaftliches Ausleben nichts und niemanden bedroht, sondern als ein Lebens-Modell die anderen ergänzt.

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