Evolutionstheorie und Bibel

gestellt von Corina am 18. Januar 2019
Schöpfungsgeschichte für Kinder

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Wie erkläre ich meinem Kind mit Argumenten die Entstehung der Welt, wie sie in der Bibel steht und die Evolutionstheorie? Herzlichen Dank

Liebe Corina,

Die Geschichte von der Schöpfung der Welt durch Gott, wie sie in der Bibel steht, ist eine gute Geschichte. Sie will deutlich machen, dass hinter allem, was ist, der Wille eines guten Gottes steht. Die Evolutionstheorie, also die wissenschaftliche Theorie von der Entstehung der Arten, ist eine gute Erklärung dafür, wie sich das Leben auf unserer Erde entwickelt hat. Sie können Ihrem Kind beides nahebringen. Die Bibel verlangt nicht von uns, dass wir uns wissenschaftlichen Erklärungen verschließen. Sie erzählt gute Geschichten von Gott und den Menschen.

Die biblische Schöpfungsgeschichte ist keine Doku! Es ist ja nicht einmal eine einzelne Geschichte, sondern mindestens zwei. In der einen wird erzählt, dass Gott das Chaos, das am Anfang herrschte, Gott schafft in sechs Tagen, alles, was existiert, und gibt ihm seinen Platz. Zwei Aussagen sind dabei wichtig: Erstens: Alles, was ist, ist von Gott gewollt und alles hat seine Berechtigung und ist gut, wie es ist. Gott will also die große Vielfalt seiner Welt und hat zu jedem einzelnen Geschöpf eine direkte Beziehung.

Die zweite Geschichte erzählt die Schöpfung anders: Gott macht einen Garten und einen Menschen, den er dann in den Garten setzt. Der Mensch entwickelt sich dort, fängt an, Gottes Gebote zu missachten, beginnt sich als Individuum zu begreifen und als geschlechtliches Wesen, und muss schließlich aus dem Garten ausziehen. Die Geschichte ist sehr vielschichtig. Eine ihrer Aussagen ist: Der Mensch entwickelt sich. Er hat einen eigenen Willen und einen Verstand, die dazu führen, dass er für sich selbst sorgen muss.

Wenn Sie finden, dass diese Geschichten tatsächlich gute Botschaften enthalten, dann können Sie sie Ihrem Kind auch erzählen. Und dann schauen Sie sich anschließend Bücher mit Dinosauriern an und sprechen darüber, was für eine Vielfalt an Leben auf unserem Planeten existiert, und wie man sich vorstellen kann, dass es zu dieser Vielfalt kam. Sprechen Sie über das Phänomen des Aussterbens von Arten und über die Verantwortung, die wir Menschen für den Planeten haben, auf dem wir leben. Von dieser Verantwortung übrigens spricht dann auch wieder die Bibel. Sie sehen: Sie müssen weder das eine noch das andere auslassen.

Sie werden feststellen, dass Kinder durchaus in beiden Wahrheiten gleichzeitig zu Hause sein können – leichter noch als Erwachsene. Sie können die Realität, die sie umgibt wahrnehmen und lernen, sie zu erklären Gleichzeitig können sie ohne Mühe die Kraft von Erzählungen verstehen und spüren. Darum, in aller Kürze: Erklären und erzählen Sie! Erklären Sie die Entstehung des Lebens mit Urknall und Evolution. Erzählen Sie die Geschichte, dass Gott die Welt schuf.

Herzliche Grüße

Frank Muchlinsky

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Kommentare

Liebe Corina.
Das wichtigste ist es für sich selbst zu verstehen das sich Evolution und Schöpfung nicht widersprechen, ganz im Gegenteil.
Die Schöpfungsgeschichte ist in Neudeutsch eine "executive summary" der Evolution die es ermöglicht das Konzept der sequentiellen Entwicklung immer komplexerer Lebensformen zu verstehen ohne dabei das Verständnis von Molekularbiologe und Genetik vorauszusetzen. War von Anfang an dazu gedacht die Realität Leuten zu vermitteln die weder lesen noch schreiben konnten, sowie auch denen die einen höheren Bildungsstand hatten. Das heißt der Text ist kann sowohl von einem Kind als auch von einem "Boss" verstanden werden. Probleme entstehen wenn einer die Evolutionstheorie nicht versteht und den Bibeltext wörtlich nimmt oder ihn aufgrund seiner Religiophobie ablehnt. Einem Kind ist die Vorstellung das Gott am Ufer sitzend "mudpie humans" gemacht hat ausreichend, für einen Erwachsenen ist das normalerweise nicht mehr so. Wenn einer intellektuelle Reife für sich beansprucht aber darauf besteht das dies die einzige Deutungsweise der Bibel ist, und sich die Evolutionstheorie und die Schöpfungsgeschichte deswegen widersprechen ist das schon etwas peinlich.

Ein Gott der das Universum durch sein Wort geschaffen hat , der Gott als "Logos" ist besser als ein Ingenieur zu verstehen der einen Prozess oder Regelwerk entwickelt. Im Prinzip hat er ein Baukastensystem geschaffen hat das wir unser Universum nennen und ein Program für sich selbst multiplizierende Lebewesen . Es ist von daher nicht überraschend sondern eigentlich eher zu erwarten das sich Strukturen in der Höherentwicklung von Arten immer wiederfinden. Die Regel oder das Gesetz das bestimmt welche Sachen Überleben heißt auf neudeutsch "survival of the fittest". Überlebensfähigkeit ist aber nicht wie viele es glauben der Sieg des stärkeren oder dessen der am schnellsten zugreift im Wettbewerb gegeneinander, sondern es ist die Fähigkeit Nächstenliebe zu praktizieren, e.g. den anderen Systemelementen mindestens genau soviel zu geben wie den eigenen Systemelementen. Ein System das sich selbst mehr unterstützt als seine Nachbarn zerstört sich selbst weil es die Stabilität des übergreifenden Systems zerstört in dem es eingebunden ist. Das auf zwischenmenschlicher Beziehungsebene zu erklären, oder am Beispiel der Krebserkrankung unter der Betrachtung des Menschen als komplexes Zellsystem, ist für Kinder etwas kompliziert. Als einfaches Beispiel kann man den Menschen und die Bienen verwenden. Wenn wir Menschen Chemikalien verwenden die die Getreideernte erhöhen, die aber giftig für die Bienen sind schaden wir damit unseren Nachbarn den Bienen, und all den anderen Nachbarn die auch von den Bienen abhängig sind, und können damit mehr als nur die Menschheit zum Aussterben verurteilen.

Der Ansatz von Atheisten die Endprodukte der Schöpfung wie zum Beispiel das menschliche Auge und andere "Fehler in der Anatomie" als schöpferische Fehlleistung darzustellen, um dadurch den Schöpfer zum Stümper zu erklären, und die Existenz eines intelligenten Schöpfers zugunsten der Evolutionstheorie zu widerlegen, ist nicht gerechtfertigt. Es stellt sich viel mehr die Frage wieso sie glauben die Hirne derer, die in solchen Design-Fehlleistungen ein Beweis für ihr Evolutionsverständnis sehen, nicht auch eine Fehlleistung ihrer Evolution sind :-) Evolution und die Schoepfungsgeschichte schliessen einander nicht aus sondern beschreiben den selben Sachverhalt nur auf unterschiedliche Weise wie der Papst schon Mitte des letzten Jahrhunderts erklärt hat. Es sind nicht verschiedene Wahrheiten, denn Wahrheit gibt es nur eine. Die wissenschaftliche Erläuterung kann nur die materielle Ebene der Realität beschreiben, die poetische Sprache der Bibel beinhaltet auch die emotionale Ebene der Realität. Und wenn das Aussterben vor Arten als eine Fehlleistung Gottes dargestellt wird sollte man in der Lage sein zu erklären das es für die Existenz eines Lebewesens keine noblere Geste gibt als sein Leben zugunsten anderer zu opfern. Für Gott ist der materielle Tod ja auch kein Problem, nur für die Materialisten, denn der materialielle Tod ist für Gott nicht das Ende unserer Existenz, und hat doch die ausgestorbene Art zur Evolution unserer materiellen Realität beigetragen und damit ihren Dienst getan.

Der 2te Teil der Schöpfungsgeschichte mit dem Suendenfall ist für mich eine poetische Beschreibung der Pubertät mit der man Kinder auch schon darauf vorbereiten kann was auf sie zukommt. So wie ein Kind sich in der Pubertät von seinen Eltern frei sagt haben sich auch Adam und Eva von Gott frei gesagt. Das essen vom Baum der Realisierung von Gut und Böse (es ist nicht der Baum des Wissens wie es manche gerne darstellen um zu argumentieren das Gott die Menschen dumm sein lassen wollte) entgegen dem Gebot Gottes ist eine Ablehnung der Autorität des Vaters zur Realisierung des eigenen Selbst. Realisierung von Gut und Böse ist auf einer Ebene die Erkenntnis dessen was für und gegen das Selbst ist und damit eine subjektive Einschätzung von Gut und Böse. Auf einer anderen Ebene ist die Realisierung von Gut und Böse der Akt Gut und Böse zur realisieren / verwirklichen. In einer Welt wo alles in Harmonie existiert, alles ein Selbst ist, gibt es nichts böses. Erst wenn sich ein weiteres Selbst entwickelt kann es zum Interessenkonflikt kommen und damit das Böse existieren, aber auch die Liebe füreinander.

Gottes Aussage das seine Kinder an dem Tag an dem sie von diesem Baum essen sterblich werden ist nicht als Strafe zu verstehen, sondern als logische Warnung vor den Konsequenzen dieser Tat, ein Appell an ihre Vernunft. Er sagt nicht "wenn ihr von diesem Baum esst werde ich euch umbringen als Rache für euren Ungehorsam,sondern sagt des sie durch ihre willentliche Trennung von Gott nicht mehr Teil von ihm und damit vom ewigen Leben sind. Das ist so wie ich meinen Kindern erklärt habe das sie, wenn sie die Hochspannungsleitung anfassen, mit Sicherheit sterben werden. Deshalb gebiete ich ihnen sich von der Hochspannungleitung fern zu halten. Anders als Gott können wir nicht beanspruchen allwissend zu sein, aber das unsere Entscheidungen auf unserer Liebe für unsere Kinder basieren, die ja unsere Zukunft verkörpern.

Im Moment versuche ich meinigen inzwischen volljährigen Sohn zu erklären das ich nicht möchte das er sich ein Motorrad kauft weil es für Jungen in seinem Alter ein großes Risiko darstellt. Da ich aber auch akzeptiere das er seine eigenen Entscheidungen trifft um selbstständig zu sein akzeptiere ich das Risiko das ich ihn moeglicherweise als Pflegefall betreuen muss und hoffe auf seine Einsicht und das er meine Autorität bezüglich der Risikoeinschätzung freiwillig anerkennt. Ich weiß noch wie heute wie ich in's Bad kam und er unter der Dusche stand und auf einmal reagierte als würden ihm seine wichtigsten Teile abfallen. Das war der Moment wo ich auf einmal verstand was es bedeutete das Adam und Eva sich versteckten weil sie ihrer Nacktheit bewusst geworden waren. Wusste nur nicht wer ihm den Apfel gereicht hatte :-)

Philosophisch gesehen ist es in der Pubertät die Zeit wo wir uns gegen unsere Eltern auflehnen um unser eigenes Selbst zu gewinnen, nur um dann den Rest unseres Lebens damit verbringen es wieder loszuwerden / aufzugeben, erst für unseren Partner, und dann gemeinsam für unsere Kinder und spätestens am Schluss wieder für Gott selber.

Liebe Corinna.
Ich finde es echt gut, dass du dir darüber Gedanken machst. Es ist auch eine wirklich wichtige Frage. An sich ist die Antwort auch recht einfach. Es heisst ja schon Schöpfungsgeschichte und Evolutionstheorie. Das eine ist Geschichte und das andere Theorie. Und wenn man sich vorbehaltskos einmal die Schönheit der Natur anschaut kann es doch nicht sein, dass das bloß das Ergebnis einer Entwicklung sein soll. Genau wie ein schönes Heim einen Erschaffer hat , muss auch die Natur erschaffen worden sein. Von alleine wäre garnichts passiert. Die Naturgesetze müssen entworfen worden sein genau wie heute alle Gesetze entworfen werden. Ordnung ist nicht selbstverständlich sondern muss geführt werden. Wenn man zuhause nichts macht ; wird dann die Ordnung aufrecht erhalten und stellt sich da nicht Chaos irgendwann ein. ?!!! .... das einzigartige Leben auf der Erde ist nirgends anderes gefunden worden. Hebräer 3:4 finde ich echt gut dazu. :
Natürlich wird jedes Haus von jemandem erbaut,doch der , der alles gemacht hat, ist Gott.“ .... das klingt doch etwas logisch oder?!..... Die Schöpfung ist wunderschön und mit soviel Liebe erschaffen und nicht nur das Ergebnis einer Evolution. ..... liebe Grüße... matthias

Vielleicht sollte man sich einfach ins Gedächtnis rufen, dass Menschen, die vor einigen tausend Jahren in einem sehr begrenzten Gebiet der Erde zu Hause waren und ein sehr begrenztes Wissen hatten, sich ihre Welt erklären wollten. Mit den Fakten von 4 Mrd. Jahren Erdgeschichte und Evolution hat das nichts zu tun. Weder unmittelbar noch mittelbar. Ich freue mich, dass die evangelische Kirche in Deutschland im Gegensatz zu vielen religiösen Gruppen in den USA die Evolution akzeptiert. War heute auf die Seite von Noahs Arche in Kentucky (https://edition.cnn.com/2016/07/07/us/noahs-ark-kentucky/index.html) gestoßen und wollte mal wissen, wie man hierzulande zu dem Thema steht.

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