Was passiert mit herzensguten Menschen, die nicht an Gott glauben konnten?

gestellt von Friederike am 29. April 2019
Grab auf Friedhof

© marako85/iStockphoto/Getty Images

Mein Opa war ein herzensguter Mensch. Doch ich weiß, dass er weder an Gott und Jesus noch an ein Leben nach dem Tod geglaubt hat. Nicht, weil er den christlichen Gott abgelehnt hat, sondern weil er es nicht konnte. Für ihn war es nicht möglich, an einen fürsorgenden Gott und an einen Himmel zu glauben. Das war für ihn eher eine Wunschvorstellung der Menschen. Hinzu kam, dass er im Krieg viel Schlimmes gesehen und erlebt hatte. Das machte es für ihn noch schwerer, an eine liebende, sorgende Kraft zu glauben. Was passiert aus christlicher Sicht mit Menschen, die herzensgut und fürsorglich sind, quasi die Nächstenliebe leben, aber nicht an den biblischen Gott und das Evangelium glauben können? Sind sie für Gott verlorene Seelen?

Liebe Friederike,

die Antwort, die ich Ihnen geben kann, ist genauso richtig oder falsch, wie die von allen anderen Menschen. Schließlich wissen wir nicht, was nach dem Tod geschieht. Meine Antwort stammt aus meinem Glauben und aus meiner Hoffnung. Meine Hoffnung ist, dass es nach dem Tod mit uns nicht zu Ende ist. Diese Hoffnung speist sich aus meinem Glauben an die Auferstehung Jesu Christi. Ich glaube, dass Jesus für uns durch den Tod gegangen ist, damit wir selbst im Tod Gott nah sind. Der Gott, an den ich glaube, und von dem die Bibel berichtet, ist nicht nur ein Gott der hier gerade Lebenden.

So weit, so gut. Aber Sie fragen ja auch, was denn nun mit denen ist, die diesen Glauben nicht teilen, aber im Grunde nach dem Glauben in der Nächstenliebe leben. Hier kann man argumentieren, dass es ja keine Rolle spielt, was wir tun, sondern allein, was wir glauben. Paulus und später Luther, zum Beispiel, war das sehr wichtig: Wer an Jesus Christus glaubt, wird auch das ewige Leben haben. Es ging ihnen darum, dass man es sich eben gerade nicht durch gute Taten verdienen kann. Aber: So gut ich diesen Glaubenssatz finde, dass wir uns die Gnade Gottes nicht verdienen können, so wenig gefällt mir der Umkehrschluss, wenn er sagt: Wer nicht an Gott und Jesus Christus glaubt, kann auch nicht gerettet werden. Ich weiß wohl, dass es gute Argumente für diese Sichtweise gibt – auch in der Bibel. Aber ich finde, dass diese Haltung Gottes Liebe und Güte einschränkt. Wer sich als Mensch immer wieder sagt: Wer nicht an Gott glaubt, wird auch nach dem Tod nicht gerettet sein, der macht Gott zu einem Gefangenen unserer Logik und unserer Maßstäbe.

Ich glaube vielmehr, dass wir es schlichtweg nicht ermessen können, wie gütig Gott tatsächlich ist. Es fehlt uns ein Vergleichspunkt, weil wir immer nur menschliche Liebe und menschliche Maßstäbe kennen. In seinen Gleichnissen erzählt Jesus immer wieder, dass unsere menschliche Vorstellung von Gerechtigkeit nicht mit der unendlich gütigen Art zurechtkommt, in der Gott uns liebt. Der ältere Bruder kann es nicht kapieren, dass der Vater seinem jüngeren Sohn einfach so vergibt. (Luk 15,11-32). Die Arbeiter im Weinberg, die länger gearbeitet haben, sind sauer, dass der Weinbergbesitzer allen den gleichen Lohn zahlt (Mat 20,1-16).

Darum glaube ich und hoffe, dass Gott alle Menschen in die Arme nimmt. Niemand geht Gott verloren. Ich glaube nicht, dass es egal ist, ob wir an Gott glauben oder nicht. Ich glaube auch nicht, dass es egal ist, ob wir unseren Nächsten lieben oder nicht. Aber ich glaube an die unendliche Liebe Gottes. Was Ihren Opa angeht, so tut es mir vor allem leid, dass er in seinem Leben keinen Trost aus einem Glauben schöpfen konnte. Gerade wenn er, wie Sie schreiben, so ein herzensguter Mensch war, hätte ich es ihm einfach gegönnt, einen Gauben zu haben, der ihm Hoffnung und Stütze sein kann.

Ich hoffe, ich konnte Ihnen eine Antwort geben, mit der Sie etwas anfangen können.

Sehr herzliche Grüße!

Frank Muchlinsky

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Kommentare

In der Bibel steht, dass Christus für alle Menschen gestorben ist, vor allem für die Gläubigen. Wie Paulus schreibt, dass Gott alle in den Ungehorsam von Adam und Eva mit eingeschlossen hat, damit er sich über alle Erbarmen kann. So wie alle in Adam gestorben sind so werden alle in Christus leben.

Es ist schön wie Menschen ihren Eigenen Gedanken hinterher laufen nur was sagt die Bibel dazu? Bibel sagt dazu das sie verloren sind. Keiner kann guten Herzens sein der nicht an Gott glaubt. Apostel Paulus schreibt nicht das alle ungläubigen gerettet werden die ungläubig gestorben sind ihr müsst die Bibel in Kontext lesen. Apostel Paulus sagt erst waren die Heiden ungläubig und jetzt sind die Juden es wird vor Ende kommen das auch die Juden wieder glauben werden. Es geht um lebenden Menschen nicht um tote. Wer als ungläubig gestorben ist der ist ewiglich verloren.

Muslimischer Christ

Ja, wie gesagt, das sehe ich anders. Aber Danke für den Beitrag.

Lieber Herr Muchlinsky,
ich danke Ihnen sehr für Ihre ausführliche Antwort. Ich kenne die von Herrn Demir angeführten Argumente. Man findet sie in der Bibel. Man findet in der Bibel aber auch die von Jesus erzählten Gleichnisse, die Sie ansprechen. Und viele Stellen in der Bibel, die den hohen (bzw. höchsten) Stellenwert der Liebe betonen. Ihre Antwort ermutigt mich in meinem Glauben, vielen Dank!

Ich stimme der Sichtweise des Herrn Muchlinsky zu 100% zu.
Wenn ich mir anmasse das Recht zu haben, das "Herz" des Anderen beurteilen zu können und zu dürfen, glaube ich, das ich Gott bin.
Es steht geschrieben:"Wer sich erhöht, wird erniedrigt.
Deshalb besser in der Demut vor Gott, nämlich seiner eigenen Verantwortung seines Redens und Tuns vor Gott dem allmächtigen Schöpfer bleiben. Das finde ich den besten Weg.
Wer ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein...gilt auch noch heute.

Was der Mensch sät das wird er ernten.Das gilt für alle Menschen.Gott hat keine Religion,und nicht alle Götter bestehen aus Sohn und heiligen Geist.
Der Bibelgott gab uns 10 Gebote damit wir uns gut aufführen.Eines dieser Gebote"du sollst nicht töten"hielt der Bibelgott nicht ein.
Neuerdings sind die 10 Gebote angeblich nicht mehr ausreichend für unsere Punktzahl.Nein,wir müssen an Jesus glauben um gerettet zu werden.
Vorher war Jehova laut der Bibel der einzige Retter. Christen seid wachsam,ab jetzt gibt es 11 Gebote.

Lieber Herr Muchlinsky,
leider liegen sie falsch und geben auch dieses Falsche an andere weiter, was noch schlimmer ist.
Die Bibel sagt unmissverständlich, daß nur die Gläubigen das ewige Leben haben. Und diese es nur in Jesus Christus haben.
" Wer den Sohn hat, hat das (ewige) Leben, wer den Sohn nicht hat, hat das (ewige) Leben nicht." 1 Joh 5 oder "Wer an den Sohn glaubt, der hat das ewige Leben. Wer dem Sohn nicht glaubt, der wird das Leben nicht sehen, sondern der Zorn Gottes bleibt über ihm." Joh 3,36 d.h. nur aus Glauben an den Herrn Jesus Christus wird man errettet. Es gibt kein anders Evangelium. Niemand wird gegen seinen Willen gerettet werden, zumal alle Menschen Sünder sind. Jesus Christus hat am Kreuz stellvertretend ein vollkommenes Opfer zur Sündenvergebung dargebracht, und bietet dieses Geschenk jedem Sünder an, es (=die Sündenvergebung) anzunehmen oder abzulehnen. Nur wer dieses Geschenk annimmt, kann es auch einmal vor Gott in Anspruch nehmen.

Ja, ich kenne diese Argumentation. Sie ist auch nachvollziehbar. Aber das ändert nichts daran, dass Gott in seiner unendlichen Güte alle menschen erstens retten will und zweitens retten kann. Oder meinen Sie, Jesus Christus sei nicht frei, beim Jüngsten Gericht alle Menschen liebevoll aufzunehmen? Ich werde Gott nicht vorschreiben, dass er sich gefälligst an das zu halten habe, was in der Bibel steht? Ich bete um sein Erbarmen für mich und für alle.

Es steht mir nicht zu, zu beurteilen, ob Friederike sich verstanden oder wenigstens auch in ihrer Not ernst genommen fühlt.
Sie schreibt mit keinem Wort, dass ihr Opa sich den Himmel irgendwie verdienen will, sie schreibt, dass er nicht darauf vertrauen konnte, dass es einen solchen Himmel und einen Gott für ihn gibt.
Maßgeblicher Bibeltext ist meines Erachtens das Gleichnis vom Gericht des Menschensohnes über die Völker: Mt 25,31–46.
In diesem Text werden die Menschen am Ende danach beurteilt, ob sie Hungernden zu essen, Dürstenden zu trinken gegeben haben, ob sie Kranke besucht haben usw.: Ob sie die Not anderer wahrgenommen und gehandelt haben. Also ob sie "quasi die Nächstenliebe gelebt" haben, wie Friederike sagt. Von einem irgendwie zu formulierenden oder zu "habenden" Glauben an Gott, von einer Mindestzahl von Kirchgängen oder Gebeten usw. ist nicht die Rede.
Wenn es diesem Gott und diesen Himmel also gibt, dann bin ich mir sehr sicher, dass der Opa von Friederike erkennen darf, dass er im Sinne Gottes gelebt hat, vielleicht sogar gerade mit seinem Zweifel an Gott, mit dem er wohl auch das Leid anderer Menschen sehr ernst genommen hat. Er gehört ganz gewiss nicht zu den "verlorenen Seelen"!
Mir ist unverständlich, wie man bei einem Menschen, der die Nächstenliebe lebte, überhaupt überlegen kann, ob er vielleicht doch vor Gott bestehen kann. Mir ist besonders unverständlich, dass das ausdrückliche Bekenntnis zu Gott so hart als einziger Maßstab aufgestellt wird. Meines Erachtens widerspricht das völlig dem Gleichnis vom Weltgericht.
Wenn es also einen Gott gibt, dann habe ich Hoffnung, besonders für den Opa von Friederike.