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Der evangelische Pfarrer muss nicht kirchlich geheiratet haben. In der evangelischen Kirche gilt man ab der Standesamtlichen Trauung als verheiratet, die kirchliche Trauung ist lediglich eine Segenshandlung an einem verheirateten Paar, stiftet aber keine Ehe. D.h. ja, theoretisch kann ein evangelischer Pfarrer auch Jahre später noch kirchlich heiraten.
Es spricht auch nichts dagegen, das der Pfarrer seine katholische Frau nach katholischem Ritus heiratet. Für die evangelische Kirche ändert sich am Status "verheiratet" nichts, die katholische Kirche behauptet, dass die beiden sich das Sakrament der Ehe gespendet haben.

Insgesamt sollte man sich die EKD-Regelung mal auf der Zunge zergehen lassen. Und mal darüber nachdenken, was für ein immenser Eingriff diese Regelung in das Persönlichkeitsrecht eines Pfarrers/einer Pfarrerin ist und seines/seiner Partner/Partnerin. In welchem Beruf muss man noch seine Verlobung oder Heiratsabsicht anzeigen und prüfen lassen, ob der Partner genehm ist und wo muss man sonst um Ausnahme der Soll-Regelung "bitten", falls der Partner eine andere Konfession oder gar keine Konfession haben sollte.

Ich weiß von mindestens zwei Kommilitonen aus süddeutschen Landeskirchen, die keine Pfarrstelle angetreten haben, weil man ihre Partnerinnen (Hinduistin oder Agnostikerin) ablehnte und das, obwohl schon bei einem Kinder auf der Welt waren.
Nach außen wird für religiöse Toleranz und Offenheit geworben, so laut und radikal, dass es vielen - auch mir - zu schnell geht. Nach innen pflegt man Intoleranz und gängelt seine Pfarrer (für Kirchenbeamte und -angestellte gilt das nämlich nicht).