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Lieber Herr Javert,

Ihre Empörung in allen Ehren, aber unser Staat ist erstens kein Unrechtsstaat, und zweitens verhält es sich genau umgekehrt: Die Kirche hat sich mit der Eheschließung eine vordem weltliche Zeremonie angeeignet. Ich zitiere hier aus einem außerordentlich lesenswerten Artikel zur Kulturgeschichte der Ehe, der bei evangelisch.de bereits veröffentlich ist:

"Im 12. Jahrhundert fing man dann an, in das häusliche Hochzeitszeremoniell einen kirchlichen Trauritus zu integrieren. Aber dieser fand entweder im Haus der Brautleute selbst oder vor - und nicht in - der Kirche statt. Erst im 13. Jahrhundert wird dann der Kirchenraum zum Ort der Verheiratung. Das heißt aber noch nicht, dass damit die private Eheschließung durch die kirchliche vollständig abgelöst wurde. Vielmehr besuchte man nach vollzogener Hochzeitsnacht einen Gottesdienst, die Brautmesse. Diese hatte jedoch ursprünglich keine konstitutive, ehebegründende Funktion." (G. Lämmermann, Eine kurze Kulturgeschichte der Ehe, evangelisch.de, 2.7,2013)

Mit freundlichen Grüßen

Frank Muchlinsky