Wie finde ich wieder zu Gott?

Gefragt von Sofie
Frau betet

©Getty Images/PeopleImages

Liebe Frau Scholl,
Ich wende mich mit der Frage an Sie, wie man wieder den Einstieg in die Religion findet. Ich selbst bin eigentlich katholisch getauft und habe auch meine Kommunion gemacht, habe jedoch lange nicht mehr an Gott geglaubt, doch merke in letzter Zeit immer stärker, das Bedürfnis in mir, wieder eine Bindung zu Gott aufzubauen. Nun weiß ich leider nicht genau, wie ich das angehen soll. Welche Gebete können Sie „Einsteigern“ empfehlen? Ich möchte die Andacht in mein tägliches Leben einbauen und dass die Religion einen festen Platz in meinem Alltag findet.
Kann Gott mir auch Sünden vergeben, wenn ich „jetzt erst“ wieder zum Glauben finde? Ich möchte nicht, dass es rüber kommt als würde ich nur die Bindung zu Gott suchen aufgrund des Sündenerlasses, so ist es keinesfalls - es würde mir aber ein großer Stein vom Herzen fallen, wenn ich wüsste, dass dies möglich wäre.
Vielen Dank im Voraus für die Antwort!
Sofie

Liebe Sofie,

wie schön, dass Du diese Sehnsucht nach Gott und ein Interesse für Spiritualität und gelebten Glauben hast. Wenn ich Deine Zeilen lese, beschäftigt mich zunächst mal ganz grundsätzlich die Frage, ob man eigentlich so klar innerhalb oder außerhalb des Glaubens stehen kann, wie Deine Frage das nahelegt.

Meiner Wahrnehmung nach kann und darf der Glaube ganz unterschiedliche Intensitäten haben bei verschiedenen Menschen und im Laufe eines Lebens erscheint es mir völlig normal, dass die Gottesbeziehung mal mehr oder weniger im Vordergrund steht, manchmal eben auch für eine Zeit lang gar keine Rolle spielt. Umso schöner, wenn wie bei Dir, diese Sehnsucht irgendwann wieder wach wird.

Weil diese Wege so individuell sein können, ist es auch schwierig, Dir etwas wie eine Aufbauanleitung für Deine Gottesbeziehung zu schreiben. Ich möchte Dich eher ermutigen, allerlei Dinge auszuprobieren, und so zu erfahren, was für Dich passend ist.

Viele Menschen beginnen den Tag mit den Herrnhuter Losungen. Das sind zwei kurze biblische Texte. Ich selbst habe sie als App und lese sie meistens morgens beim Kaffee. Einen Moment lang lasse ich die Worte in mir nachklingen. An manchen Tagen sagen sie mir nicht viel, aber manchmal treffen sie etwas, was mich gerade innerlich beschäftigt, und dann begleiten die Worte mich länger.

Eine verbreitete Gebetspraxis ist zudem das Herzensgebet. Das könnte etwas für Dich sein, wenn Du Meditationsübungen magst. Unter diesem Link findest Du eine Anleitung:

Eine weitere Möglichkeit wäre, jeden Abend vor dem Schlafengehen Gott drei Dinge zu sagen, für die Du an diesem Tag dankbar bist. Es ist beeindruckend. Meistens findet man auch an einem Tag, der gefühlt eher mies verlaufen ist, drei Dinge, für die man Gott danken kann.

Vielleicht merkst Du aber auch, dass es Dir gar nicht so sehr entspricht für Dich allein Deinen Glauben zu leben, sondern dass es Dir gut tut, das mit anderen zu teilen. Schau doch mal, was es in Deiner Nähe an Gemeinden gibt und geh dort zu Gottesdiensten oder anderen Veranstaltungen. Falls es Dir nicht entspricht, belässt Du es bei dem einmaligen Besuch. Vielleicht weckt aber auch etwas Dein Interesse.

Darüber hinaus gibt es im digitalen Bereich eine ganze Menge Angebote. Falls Du bsw. bei facebook bist, könntest Du unserer Seite (evangelisch.de) folgen. Dort bekommst Du allerlei Impulse.

Dich bewegt auch die Frage, ob Gott Dir auch die Sünden vergibt, wenn Du „erst jetzt“ wieder zum Glauben findest. Du schreibst ja, dass Du getauft bist. Die Taufe ist ja gerade das Zeichen von Gottes Liebe zu jedem einzelnen Menschen. In der Taufe ist Dir zugesagt, dass Gott Dich annimmt, so wie Du bist. Ich glaube ganz fest daran, dass nichts uns von dieser Liebe Gottes trennen kann. Selbst wenn bei Dir der Glaube an Gott einige Zeit lang in den Hintergrund getreten ist, hat Gott von dieser Liebe nie abgelassen.

Ich wünsche Dir, dass Dich diese Zuversicht begleitet auf Deinem Weg in und mit der Religion. Es gibt nichts, was Du tun musst, um Dir die Liebe Gottes zu verdienen. Sie ist immer schon da, bevor Du anfängst.

Herzlich

Katharina

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