Pfarrer bitte im Talar im Internet?

Gefragt von Gast

Vorstellung der Gemeindeleiter auf Homepage

Liebe Moderatoren,

ich bin der Meinung, dass Pfarrer/in einer Gemeinde sich auf der Gemeindehomepage mit "Amtskleidung" präsentieren sollten. Also mit Talar mit Beffchen. Immer häufiger kommt es vor, dass sich die zuständigen Geistlichen per "Anzug" "Jacket und Hose" "Pulli und Jeans" "Minirock und Spagetti Top" präsentieren. Der Homepagebesucher kann nicht mehr feststellen, ob es sich nun um einen freikirchlichen Redner oder tatsächlich um einen PfarrerIn handelt.

Gibt es hierzu keine Vorschriften? Zumal die evangelische Kirche sich immer weiter vermischt, möchte ich schon wissen, mit dem ich es eigentlich zu tun habe. Mit einem Beauftragten der Landeskirche oder einer Freikirche. Per Augenschein sollte eine Unterscheidung noch möglich sein.Zumindest auf der Gemeindehomepage.

Lieber Gast,

der Talar ist die Bekleidung der Pfarrerinnen und Pfarrer bei allen Formen des Gottesdienstes, also auch für Beerdigungen, Trauungen etc. Die Gelegenheiten, in denen wir also Talar tragen, machen also nur einen Bruchteil unserer Arbeit aus. Geburtstagsbesuche, Konfirmandenunterricht, Sitzungen, nicht zu vergessen die Arbeit am Schreibtisch verbringen wir in „zivil“. Wenn sich also die Kolleginnen und Kollegen auf ihren Internetseiten entsprechend präsentieren, machen sie damit deutlich, dass sie Menschen sind, die über ihren Talarrand hinaus denken und arbeiten.

Sicherlich wäre es ein Erkennungsmerkmal, doch auch kein eindeutiges. Talare darf anziehen, wer will. Homepages von Gemeinden lassen in der Regel keinen Zweifel daran, welcher Konfession die Gemeinde angehört. Ich halte es für eindeutiger, die Unterscheidungen schriftlich zu verfassen anstatt bildlich darzustellen. Der Talar ist keine Uniform. Wer einen trägt und kein Pfarrer ist, begeht also keine Amtsanmaßung im rechtlichen Sinne.

Übrigens: Freikirchen haben keine „freikirchlichen Redner“, sondern durchaus auch Pastorinnen und Pastoren. Einige von ihnen laufen gern – in Ihrem Sinne – erkennbar mit Collarhemd durch die Straßen. Das wiederum tun auch Pfarrerinnen oder Pfarrer der Landeskirchen.

Mit freundlichen Grüßen
Frank Muchlinsky

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Inzwischen erteilen die meisten deutschen Landeskirchen einen Freibrief an ihre Pfarrerinnen und Pfarrern. Dieses JA-Wort ermöglicht sowohl das Tragen des Talars in der üblichen Überwurfmanier, als auch das Tragen der Albe mit Stola, als auch Talar mit Stola oder Gewänder und Umhänge in anderen Farben mit oder ohne Kordel. Das Barett darf bei Sonne, bei Regen, indoor und outdoor getragen werden. Die Geistlichen sind für die Anschaffung und Bezahlung ihrer Amtskleidung genauso selbst zuständig, wie für die ihrer Krawatten und Socken.

Martin Luther legte sein Messgewand, sichtbar für die ganze Gemeinde, vor der Predigt ab und sprach in der Alltags-Standeskleidung weiter zum versammelten Volk.

Da hätte ich aber gerne einen Beleg.
Der ehemalige Propst von Oberhessen Klaus Eibach hat PfarrerInnen jedesmal einen Auszug aus der Verwaltungsverordnung über liturgische Kleidung (siehe hier: https://www.kirchenrecht-ekhn.de/document/18790) geschickt, wenn wieder einer von uns in der Zeitung mit falscher Stola oder falschem Beffchen abgebildet war. Auch andere PröpstInnen und DekanInnen achten darauf. Und das in der als liberal und als alles duldend geltenden EKHN.
In unserer hessischen Nachbarlandeskirche bekommen die VikarInnen eine Mode- und Stilberatung um selbst unterm Talar stets korrekt gekleidet zu sein.

Um Stola, Albe oder gar Messgewänder im Gottesdienst tragen zu dürfen bedarf es in der EKHN überdies eines KV-Beschlusses. Das kann der/die PfarrerIn nicht einfach nach eigenem Geschmack entscheiden.
Den Talar und das entsprechende Zubehör musste man sich schon immer selbst kaufen. VikarInnen kaufen sich meist mit erheblichem Rabatt und Zuschuss der Landeskirche als ganzer Kurs. Muss der Talar ersetzt werden, gibt es alle 10 Jahre einen Zuschuss der Landeskirche, der knapp die Hälfte der Kosten abdeckt.
Dass PfarrerInnen mit dem Barett nicht umzugehen wissen, ist der heutigen Zeit geschuldet. Wir sind den Umgang mit Kopfbedeckungen nicht gewohnt. In einer Agende habe ich gelesen, dass das Barett kein Hut ist, der Pfarrer das Barett auf dem Friedhof auf dem Kopf lässt und auch nicht als Ehrenbezeugung oder beim Gebet abnimmt, nicht mal vorm Bischof oder Bundespräsidenten. Ich würde behaupten, die Pfarrerin sowieso nicht, denn Damen ziehen keinen Hut. Und tragen dürfen es beide in der Tat bei allen Wetterlagen, zumindest der Pfarrer jedoch nicht in der geweihten Kirche - die Trauerhalle gilt nicht als Kirche, sondern als Außengelände.

"Alltagskleidung" hieß zu Zeiten Martin Luthers übrigens "Standeskleidung". Sein Stand war Professor und Dr. theol. Es ist anzunehmen, dass er deshalb den Gelehrtentalar trug. Gerade seine Käthe dürfte darauf sehr geachtet haben, denn die trug auch stets die Kleidung einer Adeligen und hätte sich nie wie eine Bürgersfrau gekleidet.