Die "Neue-Welt-Übersetzung" der Bibel

gestellt von Gast am 18. September 2011
Unterschiedliche Bibeln

© epd-bild/Annette Zoepf

Hallo!

Es gibt im deutschsprachigen Raum eine Vielzahl an Übersetzungen der Bibel oder Teilen von ihr. Gibt es bei den verschiedenen Übersetzungen tatsächlich konfessionsbezogene Unterschiede -- abgesehen von der Verwendung des textus receptus? Welche ökumenischen Übersetzungen gibt es? Und im Speziellen: An welchen Stellen verfälscht die NWÜ der Zeugen Jehovas den biblischen Urtext bzw. tut sie das überhaupt?

Vielen Dank im Voraus für die Antwort!

Lieber Gast,

die drei deutschsprachigen Bibelübersetzungen, die mit jeweils kirchenamtlicher Genehmigung veröffentlicht sind (Lutherbibel, Zürcher Bibel, Einheitsübersetzung) lassen in den Übersetzungen kein konfessionelles Profil erkennen, sondern sind in der Regel von dem Ziel geleitet, den ausgangssprachlichen Text korrekt und verständlich ins Deutsche zu übertragen. Inzwischen gibt es auch keine kirchliche Vorgabe bei der Wahl des „Urtextes“ (in Ihrer Frage ‚textus receptus‘) mehr – auch die (katholische) Einheitsübersetzung legt den hebräischen und den griechischen Text der Übersetzung zugrunde, seit Pius XII. in der Enzyklika „Divino afflante spiritu“ (1943) Übersetzungen aus den Urtexten freigegeben hat. Unterschiede in einzelnen Übersetzungen sind daher in der Regel nicht konfessionell bedingt, wohl aber gelegentlich Gegenstand theologischer Kontroversen (so ist unter Theologen umstritten, ob man das 1. Mose 1,1 korrekt mit „Im Anfang“ oder „Am Anfang“ übersetzen muss. Dass sich diese Variante auf Luther (Am Anfang) und Einheitsübersetzung (Im Anfang) verteilt, ist eher Zufall).

Ökumenische Bibelübersetzungen gibt es nur eingeschränkt. Die Revision der Einheitsübersetzung ist ökumenisch gestartet, die Zusammenarbeit wurde aber 2004 evangelischerseits aufgekündigt, weil die Zusammensetzung und die Kompetenzen der zustimmenden Gremien von evangelischer Seite nicht akzeptiert wurden. Mittlerweile (seit 2017) gibt es eine weiter revidierte Einheitsübersetzung, bei deren Entstehen die evangelischen Kirchen nicht mehr beteiligt waren.

Die Gute-Nachricht-Bibel ist in Kooperation der Deutschen Bibelgesellschaft (evangelisch), des Katholischen Bibelwerks e. V. Stuttgart und der evangelischen und katholischen Bibelgesellschaften in Österreich erarbeitet worden, wird von von evangelischen und katholischen Bibelwerken vertrieben und ist damit die einzige ökumenische Bibel im deutschen Sprachgebiet. In der katholischen Kirche ist sie jedoch nur zum privaten Bibelstudium vorgesehen.

Die Neue-Welt-Übersetzung der Zeugen Jehovas (NWU) lässt natürlich schon in der Übersetzung des Gottesnamens J-h-w-h mit „Jehova“ ihre Herkunft erkennen. Sie ist –ähnlich wie die Elberfelder Bibel – sehr „wörtlich“, weil es den Zeugen Jehovas um die Irrtumslosigkeit und wortwörtliche Wahrheit der Schrift zu tun ist. Einige Übersetzungen innerhalb der NWU (z.B. Joh 1,1; Kol 1,15-20) sind davon beeinflusst, dass die Zeugen Jehovas die Trinität ablehnen. Jesus Christus ist ein Geschöpf Gottes, also nicht vor der Schöpfung existent.

Vergleich: Joh 1,1:
Luther 1984: Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort.
Neue Welt Übersetzung: Im Anfang war das WORT, und das WORT war bei GOTT, und das WORT war ein Gott.

Ob der NWU die Unterscheidung zwischen „Herr“ für Gott und „Herr“ für Christus immer korrekt gelingt, ist unter Neutestamentler/inne/n umstritten. Der Artikel „Neue-Welt-Übersetzung“ in der wikipedia ist in dieser Hinsicht sehr informativ. Die NWÜ ist übrigens online verfügbar, wenn Sie sich ein eigenes Bild machen wollen.

Mit freundlichen Grüßen
Frank Muchlinsky

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Kommentare

Vielen Dank Herr Muchlinsky, dass Sie die NWÜ nicht gleich verteufeln, denn ich finde sie ist eine der Besten Übersetzungen.
Auch die Verwendung des Namens Jehova lässt sich begründen, da auch in er evangelischen und katholischen Kirche dieser Name früher genutzt wurde (siehe alte Kirchenlieder und auch schriften in Kirchen und ananderen öffentlichen Gebäuden) natürlich kann niemand genau sagen wie der Name ausgesprochen wurde, aber hier wird einfach die gebräuchlichste form in unserem Sprachfeld gebraucht.
Aber wenn man selbst gern mit Namen angesprochen wird statt mit "MAnn" oder "Frau" auch wenn er Falsch ausgesprochen sein sollte, gilt das doch erst Recht für unseren Schöpfer.
Und so können wir Ihn als Person kennenlernen.

In dem Buch "Truth in Translation: Accuracy and Bias in English Translations of the New Testament" von Prof. Jason DeBuhn sagt dieser die NWÜ ist „eine der genauesten Übersetzungen des Neuen Testaments ins Englische, die es zur Zeit gibt“, und „unter den ausgewählten Übersetzungen die genaueste“Außerdem erwähnte BeDuhn, viele Übersetzer hätten sich dazu verleiten lassen, „das, was eigentlich in der Bibel steht, frei wiederzugeben oder auszuschmücken, um dem gerecht zu werden, was heutige Leser erwarten“. Er stellte fest, dass die Neue-Welt-Übersetzung anders ist. Sie ist „genauer, weil die NW die ursprünglichen Ausdrücke der Schreiber des Neuen Testaments wortgetreu und gewissenhaft wiedergibt“.

Ob die Neue-Weltübersetzung eine besonders gute Übersetzung ist oder nicht kann ich persönlich nicht beurteilen,weil ich kein Gelehrter des Neu-Testamentlichen griechisch bin.Mir persönlich scheint sie sprachlich eher gekünstelt,darum benutze ich sie nur zu vergleichszwecken,habe aber noch nie ein ganzes Buch darin gelesen,aus dem genannten Grund.Aber das ist ja reine Geschmackssache und sagt nichts über die Qualität aus.
Interessant finde ich die seltsame Ideologie die hinter dem „Namen Jehova“ steht.
Die Zeugen Jehovas selbst werben mit dem Spruch:“Alle Schrift ist von Gott eingegeben“, werden dieser Aussage aber um des Namens Jehovas Willen untreu,was ich nicht sehr glaubwürdig finde.
Genauer gesagt geht es um folgendes:In der Neuen-Welt Übersetzung steht auch im Neuen-Testament sehr häufig der Name:Jehova,obwohl der dort gar nicht nachweisbar ist,tatsächlich kein einziges Mal.Bei genauerem Nachfragen behaupteten die Zeugen zunächst:Die Katholische Kirche habe den durch Herr ersetzt,und bewiesen werden sollte das dann mit Übersetzungen etwa aus der Reformationszeit,vielleicht auch etwas früher.Das alle historischen Texte in griechischer Sprache,die bis zum Jahr 200 datiert werden können (vergl. Nestle-Aland),kein einziges Mal den Namen Jehova enthalten,wissen die Zeugen normalerweise nicht,weil es verständlicherweise nicht in ihrer Kirche gelehrt wird.Jene Zeugen Jehovas die um diese Problematik tatsächlich wissen behaupten nun:Der Name Jehova sei bereits im 2.Jahrhundert,direkt nach der Fertigstellung des Neuen Testaments,durch den „Antichristen“ getilgt worden,aus welchen Gründen auch immer.
Das ist eine sehr schwerwiegende Sache.Denn erstens verschafft dieses Wissen,das ja nur die Zeugen Jehovas haben,Ihnen Quasi die Exklusivrechte am Wort Gottes,was ich sehr bedenklich fände,denn deren Lehren finde ich nicht besonders ansprechend,müsste dann wohl aber als Christ,aufgrund der „Gottgegebenen“? Sonderstellung wahrscheinlich Zeuge Jehovas werden.
Aber andererseits würden sie sich dann ja trotzdem selbst widersprechen,weil ja dann gar nicht „Alle Schrift von Gott eingegeben ist“ sondern nur der Teil der Schrift den der Antichrist im zweiten Jahrhundert nicht gefälscht hat.Denn seien wir mal ehrlich:Wenn der Antichrist da seine Finger erst mal reinsteckt,dann macht der doch beim Namen Johava nicht einfach halt und sagt:So jetzt hab ich mein böses Werk vollendet.Weil:So großen Einfluss auf das Heil nimmt der Name Jehova sowieso nicht im Neuen Testament.Wenn allerdings die Zeugen Jehovas allein,die nur Jehova zustehende Eigenschaft besitzen über Jehovas Wort zu wachen,dann wird natürlich klar warum das bereits zweimal mit Datum angekündigte anbrechen des Tausendjährigen Reiches verschoben werden musste:Weil die Zeugen Jehovas auch das im Namen Jehovas nach Belieben verändern können.
Nichts für ungut aber:Wie bitte soll ein Blinder einen Blinden leiten?

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