Evangelische Nachbarschaftshilfe

Gefragt von Gast

In unserem Kirchenbezirk gibt es keine Nachbarschaftshilfe unter dem Dach der Evangelischen Landeskirche in Württemberg. Deshalb bin ich Mitarbeiterin bei der katholischen Nachbarschaftshilfe obwohl ich evangelisches Mitglied bin. Weil ich zu diesen Nachbarschaftshelferinnen gehöre, nehme ich auch an den kath. Andachten und sonstigen Treffen mit kath. Gottesdienstbesuch teil. Jetzt habe ich ein ganz schlechtes Gewissen, weil ich als Protestantin zur Mutter Maria bete und an Maiandachten teilnehme als auch an Wallfahrten, denn ich möchte mich von der Gruppe nicht distanzieren. Beabsichtigt die Evangelische Kirche in Deutschland auch auf evangelischer Seite die Nachbarschaftshilfe einzuführen, denn ich würde gerne Protestantin bleiben als auch Nachbarschaftshelferin. Ist hier etwas in Planung auf evangelischer Seite?
 

Liebe „Gast“,

zunächst einmal: Sie brauchen kein schlechtes Gewissen zu haben, wenn Sie an den Andachten und Gottesdiensten Ihrer Gruppe teilnehmen! Die evangelische Kirche pflegt durchaus Gottesdienstgemeinschaft mit der katholischen. Dass Ihnen einige Gebete und Rituale fremd und Ihrem Glauben nicht entsprechend vorkommen, kann ich verstehen. Ich denke, dass Sie diese Gebete auch still verfolgen können ohne mitzubeten, ohne den Anschluss an die Gruppe zu verlieren. Vielleicht werden Sie einmal gefragt, warum Sie ab und an still sind, dann können Sie ja von Ihren Vorbehalten erzählen. Vielleicht kommt ein interessantes Gespräch zustande. Die Wallfahrten können Sie in Ihrem Herzen auch als Ausflüge mit einem geistlichen Inhalt begreifen. Darum: Wenn Ihnen Ihr Gewissen verbietet, bestimmte Worte zu sagen oder zu singen, lautet mein Vorschlag: Bleiben Sie dann jeweils still und nehmen Sie dennoch an den Andachten teil. Der Gott, in dessen Namen wir feiern, ist derselbe.

Zu Ihrer Frage mit der evangelischen Nachbarschaftshilfe: Solche Nachbarschaftshilfen können ja von ganz unterschiedlichen Trägern organisiert werden: Von bürgerlichen Gemeinden, Sozialstationen, Diakoniestationen und so fort. Darum wird auch nicht zentral entschieden, wo solche Hilfen eingerichtet werden. Das ist der jeweiligen Organisation überlassen. Wenn es bei Ihnen keine evangelische Nachbarschaftshilfe gibt (andernorts gibt es so etwas durchaus!), dann könnten Sie einmal mit Ihrer Kirchengemeinde überlegen, ob es sich lohnen würde, so etwas einzurichten. Mit einer engagierten Person, wie Sie es sind, wäre ein Anfang getan. Vielleicht entschließen sich ja weitere Menschen, bei dem Projekt mitzumachen.

Ich grüße Sie herzlich!
Frank Muchlinsky

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