Unlogische Bibel

gestellt von veele am 23. August 2011

hallo bin neu hier und habe eine frage zu der schöpfung der menschen gott schuf mann und frau soweit ok sie bekamen kain und abel ok kain erschlug abel oder umgekehrt weiss ich nicht genau nun zu meiner frage es kamen hinterher ja noch mehr menschen woher da muss ja der bruder der schwester beigewohnt haben also blutschande oder wie ist das unser pastor kann mir keine antwort darauf geben windet sich drumherum wäre dankbar für erklärung gottes segen für euch
 

Liebe Veele,

die Schöpfungsgeschichte erzählt eine Geschichte darüber, warum die Welt wohl so ist, wie sie ist. Warum gibt es zwei Geschlechter? Warum gibt es Tag und Nacht, Land und Meer? Warum tragen Menschen Kleidung und schämen sich, wenn sie nackt sind? Warum müssen wir so hart arbeiten, um unser Essen zu bekommen? Warum haben Frauen bei der Geburt so schlimme Schmerzen? Warum bringen wir einander um – selbst ein Bruder den andern? Und so weiter und so fort. All diese Fragen sind am Anfang der Bibel in Geschichten gekleidet und werden durch diese Geschichten beantwortet – allerdings nicht in einer Weise beantwortet, die unseren heutigen „Regeln“ entspricht. Heute versuchen wir uns dieser Fragen durch wissenschaftliches Arbeiten zu erklären. Wir stellen Theorien auf und versuchen, diese Theorien möglichst an vielen Punkten durch Beobachtung zu bestätigen. Wie entstand die Welt? Wir haben die Theorie eines Urknalls, wir finden viele Beweise dafür, dass diese Theorie stimmt. Die Theorie hat so lange Gültigkeit, bis jemand einen Beleg findet, der mit der Theologie nicht übereinstimmt. Dann verliert die Theorie ihre Gültigkeit und wird eventuell von einer andere Theorie abglös, oder die Theorie wird so verändert, dass alle Indizien in ihr „Platz finden“.

So denkt die Bibel nicht. Die Bibel schreibt Geschichten auf, die nicht belegbar sein müssen. Der Bibel geht es darum, in ihren Geschichten eine große Geschichte zu erzählen: Die Geschichte Gottes mit den Menschen. Darum ist bei all den Fragen auch immer Gott im Spiel: Wie ist die Welt entstanden? Gott hat sie gemacht. Warum gibt es Mann und Frau? Weil Gott die Menschen so schuf? Warum müssen wir so hart arbeiten? Weil es Gottes Konsequenz aus der Tatsache ist, dass der Mensch sich nicht an seine Gebote hält … immer ist Gott im Spiel.
Adam und Eva sind in dieser Geschichte DIE Menschen. Die Geschichte erzählt von den ersten Menschen, aber sie denkt dabei immer ALLE Menschen. Ganz von Anfang an haben die Menschen sich nicht an Gottes Gebote gehalten, sagt die Bibel. Darum leben wir, wie wir leben. Sie erschlagen einander, weil Gott Opfer des einen annimmt und des anderen nicht. Kain und Abel sind – genauso wie Adam und Eva – beispielhafte Personen. Für die Bibel spielt es keine Rolle, wenn es zu Ungereimtheiten in der Urgeschichte kommt. Das geht doch schon damit los, dass die Menschenschöpfung zweimal anders erzählt wird. Und Kain – als er nach dem Brudermord fort geht, geht in ein anderes Land. Das dürfte es nach unserer Logik gar nicht geben. Dort nimmt er sich eine Frau – wo kommt die her?

All diese Brüche und Ungereimtheiten spielen – wie gesagt – für die Bibel keine Rolle. Es geht ihr nicht darum, in unserem Sinne „historisch“ oder „wissenschaftlich“ zu sein. Die Bibel erzählt die Geschichte der Welt als die Geschichte Gottes mit der Welt. Und diese Geschichte hat für diejenigen, die sie geschrieben haben, eine viel größere Wahrheit als Logik das hat.

In der Hoffnung, dass Ihnen das weiterhilft
Frank Muchlinsky

Fragen zum Thema
11.11.2017 - 10:32
Schwierigkeit mit dem Bibellesen Liebe Carolin, das erste, was ich Dir sagen möchte, ist: Schön, dass Du in der Bibel…
24.02.2018 - 20:14
Die letzten Worte Jesu Liebe Eva, die Frage habe ich schon einmal beantwortet. Bitte schauen Sie hier. Herzliche…
23.08.2011 - 20:02
Lydia von Philippi Lieber Tamer, Lydia von Philippi ist eine Gestalt aus dem Neuen Testament. Ihre (kleine…
Schlagworte

Kommentare

Ich vergleiche die Bibel manchmal mit einem Tagebuch
und stelle mir vor, ich hätte mit 6 Jahren begonnen,
darin zu schreiben.

Da würden gemeine Dinge drin stehen (über Geschwister und andere Menschen)
da würden vollkommen widersprüchliche Dinge drinstehen (heute fand ich meine Eltern ganz blöd, einen Tag später fand ich sie ganz toll)
da würden mir heute peinlich erscheinende Dinge drinstehen.

Aber: es würde zu mir gehören,
es wäre meins,
ich kann es nicht mit einem anderen austauschen,
es wäre albern,
denn ich muß mit meinem Tagebuch klarkommen,
nicht mit dem meines Nachbarn.
Und jeder Satz und jedes Wort des Buches
und jeder Gedanke dahinter,
wäre wahr.
Ich werde mich hüten, es wegzuwerfen,
kann froh sein, es zu haben.
Wir können daraus viel lernen,
über sich über uns, das Leben, das Denken, unseren Schöpfer.
Er hat von Anfang an bestimmt,
dass sein Wille geschehe,
wir können eine Entwicklung festellen
vom Auge um Auge
zur rechten und linken Wange.
Es zeigt auf, wo wir herkommen
und läßt uns ahnen,
wo es hingeht,
weil der Schöpfer uns hält.

Ich habe mich auch schon öfter mit dieser Thematik auseinander gesetzt.
Schlussendlich bin ich zu ungefähr dem gleichen Ergebnis gekommen, konnte es aber bisher nie so richtig in Worte fassen.
Danke dafür!

Sehr geehrter Herr Frank Muchlinsky
Nach Ihrer Antwort auf die „Unlogische Bibel“ habe ich das Gefühl, geistig nicht sehr gut dazustehen. Sie sagen: “Es geht ihr nicht darum, in unserem Sinne „historisch“ oder „wissenschaftlich“ zu sein. Die Bibel erzählt die Geschichte der Welt als die Geschichte Gottes mit der Welt.“ Ich in meiner geistigen Unbedarftheit denke nun: Weil Gott die Geschichte mit den Menschen in der Bibel erzählt (war doch so – oder?), ist sie logischerweise unlogisch. Niemand kann von Gott Logik verlangen, vermute ich. Das wäre Blasphemie? Oder vielleicht war Gott gar nicht Ghostwriter und in der Bibel stehen nur Menschentexte aus Bronzezeit und Antike? Teilweise vom Gilgamesch-Epos abgeschrieben (z.B. die Sintflut). Zum Inhalt passen würde diese These – alles Wissen von damals, ohne Beitrag eines allwissenden Gott. Gott schreibt keine Dummheiten in die Bibel. Oder denken Sie das?

Nicht Gott erzählt die Geschichte mit den Menschen in der Bibel, sondern Menschen erzählen - göttlich inspiriert - wie sie Glauben erleben. Wie Gott mit ihnen geht, was sie mit Gott erleben, ihre Geschichten mit Gott. Darin wird Gottes Wirken sichtbar. Also, Gott saß nicht am Schreibtisch und hat die Bibel eigenhändig verfasst, sondern er hat Menschen inspiriert. ;) Und natürlich haben sich die Menschen der Geschichten aus ihrem Umfeld bedient, die sie kannten.

Sehr geehrte Frau Johanna Klee. Danke für ihre Antwort. Ich will Ihre Zuwendung nicht verletzen – doch so „wie es ist“ (Sie es schreiben), kann es auch sein – da es tausend Religionen gibt - Gott hat sich, da Er ALLE Menschen liebt - bei der Bibel (und allen anderen Heiligen Schriften des Planeten) ganz rausgehalten.

Schon allein die vielen in der Bibel beschriebenen Ereignisse und Personen, die es nie gab: Sündenfall, Sintflut, Sprachverwirrung, Exodus, Abraham, Moses. Die 10 Gebote entstanden im Babylonischen Exil (deshalb gibt es keine Artefakte der Steintafeln und der Bundeslade) im Zuge des Versuches der Hohen Priesterschaft, ein Nation Building zu betreiben.

Weil sich die Juden zu freudig in Babylon assimilierten. Babylon war wie „der Westen“, Israel wie die „DDR“. So schlecht ging es den Juden in der hochzivilisierten Weltmacht, nicht. Es gab nur die Residenzpflicht als Einschränkung.

Diesen Prozess der schleichenden Volksauflösung, wollte man „von Oben“ aufhalten (Erdogan: „Assimilation ist ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit" ) - schrieb deshalb erstmalig die Thora (wir sind Gottes auserwähltes Volk – stehen also über allen anderen, niederer Qualität, auch über den Babyloniern) und führten die Beschneidung ein. Aus einem bisherigen nomadischen Clangott (der auch schon mal verheiratet war – Aschera) wurde ein Volksgott (Karriere Gottes). Ein Weltgott wurde Er erst viel später (ein Kosmos-Gott zu werden, steht noch aus) Inwieweit und wie genau, Gott diesem komplexen Prozess „lenkte“, kann ich nicht sagen. Sie?

Die Karriere Gottes (mit Margot Käßmann) https://www.youtube.com/watch?v=-eep6XP9MaM

Sehr geehrte Frau Johanna Klee,
ZITAT von Ihnen:"Nicht Gott erzählt die Geschichte mit den Menschen in der Bibel, sondern Menschen erzählen - göttlich inspiriert - wie sie Glauben erleben. "

Das erscheint mir ganz sympathisch.

Einziges Problem, das ich dabei sehe - andere scheinen nicht so denken. Die Bibel heißt mal Gottes Wort - also nicht nur Gott als Ghostwriter und heißt nicht selten Heilige Schrift - obwohl es bei Ihnen mehr nach einem gesellschaftlichen Poesiealbum klingt.
https://de.wikipedia.org/wiki/Poesiealbum

Die Bibel birgt soviele destruktive Aussagen über Gott (hier nur 2 Beispiele: der allwissende Gott ersäufte unseren gesamten Planeten ohne Sein Ziel, den besseren Menschen zu erreichen =und= brauchte den qualvollen Opfertod seines - eigens dafür gezeugten Sohnes - um verzeihen zu können. Es ist auch von Lösegeld die Rede) das manche Neuleser*innen entsetzt das "Buch der Bücher" zuschlagen und nicht mehr anrühren. Jemand hat das mal angeblich ausgerechnet: Im AT tötet Gott eigenhändig 1 Million Menschen und erteilt für eine weitere Million den Mordauftrag. Nur im Orient. Bedenkt man, das damals die Weltbevölkerung (einschließlich Chinesen, Indonesier, Inder, Indianer) vielleicht höchstens 30 Millionen betrug, sind diese Zahlen schon recht heftig. Wie gesagt ZITAT:"in der Bibel, sondern Menschen erzählen - göttlich inspiriert - wie sie Glauben erleben. "

Ich denke, die Bibel war für damals (um 500 v Ch) kulturell ein Fortschritt. Doch heute ist das Verfallsdatum schon über 1000 Jahre überschritten. Wir nehmen sie nur deshalb noch, weil Gott nicht Band 3 & 4 (für je 1000 Jahre) inspirierte, obwohl die Menschen weiter Glaubenserfahrungen mit Gott in der Zeit gemacht haben. Bis heute. Bis jetzt.

Neuen Kommentar schreiben