Wie verbindlich ist die Perikopenordnung

Gefragt von Gast

Kann eine ev. Kirchengemeinde von der Perikopenordnung abweichen?
 

Lieber Gast,

die Verbindlichkeit der Perikopenordnung ist nicht einheitlich.

Wikipedia Art. Periopenordnung wrote:

Die geltende Perikopenordnung wurde von der Liturgischen Konferenz der Evangelischen Kirche in Deutschland erarbeitet und am 1. Advent 1978 eingeführt. Sie enthält eine Ordnung der Predigttexte und Leseabschnitte für Gottesdienste. Diese Texte werden – landeskirchlich verschieden – teils als Empfehlungen, teils als verbindliche Vorgaben für evangelische Gottesdienste an den jeweiligen Sonn- und Feiertagen angesehen. Es liegt im Rahmen des Kanzelrechts weithin in der Hand der verantwortlichen Pfarrer, wie sie eingesetzt werden.

 Hier der gesamte Artikel.

Derzeit wird an einer neuen Revision der Ordnung gearbeitet. Darüber hinaus gibt es eine breite Diskussion, ob die Perikopenordnung dem gemeindlichen Leben angemessen ist. Einen kleinen Artikel hierzu hat Lutz Friedrichs 2004 veröffentlicht. Am Schluss seines Aufsatzes schreibt er

Friedrichs, Perikopenordnungen wrote:

Perikopen sind Ausschnitte. Bereits darin steckt reformatorisches
Reizpotenzial. Was wird von wem mit welcher Absicht ausgeschnitten?
Sind die Kriterien nicht transparent, steht der unmittelbare Zugang zur
Heiligen Schrift und damit das reformatorische Grundanliegen der
Unmittelbarkeit des Einzelnen zu Gott in Frage. Wer über Perikopen
und ihre Ordnungen nachdenkt, muss aufpassen, nicht hinter diesen
Anspruch zurückzufallen.
Perikopenordnungen wie die der EKD sind in ihrer "Logik" vielfach gar
nicht (mehr) verständlich. Wer genauer hinschaut muss zudem
einzuräumen, dass manches gar keine Logik hat oder dass auch
vergangene Logiken mitgeschleppt werden, die nicht mehr verständlich
sind, weil sich der lebensweltliche Verstehenshintergrund gewandelt
hat. So verstärkt sich das Gefühl, im Gottesdienst etwas "vorgesetzt" zu
bekommen, dessen Sinn nicht einleuchtend ist. Das aber blockiert die
Bereitschaft, auf die biblische Botschaft zu hören.
Die kirchlichen Agenden sind längst zu Werkbücher geworden, die auf
der Basis einer wiedererkennbaren Grundstruktur zu situativer
Aneignung und Ausformung vor Ort anleiten. Diesen
Transformationsprozess, der Spielraum eröffnet nicht zuletzt für so
etwas wie "Perikopen-Werkstätten vor Ort" (siehe dazu Ahrens/u.a. 18),
haben Perikopenordnungen noch vor sich.

 Hier der gesamte Artikel.

Um zu sehen, wie es tatsächlich um die Verwendung der Perikopenordnung in den Gemeinden steht, wurde von der Theologischen Fakultät der Universität Leipzig eine Empirische Studie zur Perikopenordnung durchgeführt. Deren Ergebnisse wurden im November des letzten Jahres veröffentlicht. Die Studie ist nicht online zugänglich, kann aber beim epd bestellt werden. Link zur Pressemitteilung der EKD zur Veröffentlichung der Studie.
Wenn Sie sich für die Herkunft der Ordnung interessieren: Hier der Link zu einer kleinen „Geschichte der Perikopenordnung“ auf den Seiten der Liturgischen Konferenz.

Herzliche Grüße
Frank Muchlinsky

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