Die Auferstehung - "historisch"

gestellt von Gast am 13. Juli 2011
Ein typisches, christliches Grab nahe Nazareth aus dem ersten Jahrhundert n.Ch.

© getty Images/iStockphoto/motimeiri

Ein typisches, christliches Grab nahe Nazareth aus dem ersten Jahrhundert n.Ch.

Lieber Herr M.,

ich habe am Wochenende einen (zugegebenermaßen nicht hochanspruchsvollen) historischen Roman über das Leben von Maria Magdalena gelesen. Darin ging es aber primär um die Therie des Autors über die Auferstehung Jesu und wie diese vonstatten gegangen sein muss. Er ist der Ansicht, dass über den Weg der Bestechung an den richtigen Stellen dafür Sorge getragen wurde, dass Jesus nicht länger als 3 Stunden gekreuzigt war, lebendig ins Grab gelegt wurde und nachts von Getreuen an einen sicheren Ort gebracht wurde, an dem er sich von seiner Kreuzigung erholen konnte. "Belegt" wurde diese Theorie im Nachgang durch einige Bibelstellen. Mir ist klar, dass Auferstehung eine Glaubenssache ist, aber wie erklären sich historisch diese Ereignisse wie zB. das Verschwindes des Leichnams, der weggeschobene Stein usw.?

Vielen Dank schonmal im Voraus und viele Grüße!

Liebe "Gast",

Sie haben vollkommen Recht: Die Rede von der Auferstehung Jesu Christi ist ein "Glaubenszeugnis", ein Bekenntnis. Das gilt ebenso für die biblischen Überlieferungen. Die Evangelien erscheinen uns als "historische Berichte", doch sind sie ja nicht von Augenzeugen geschrieben in der Absicht, historische Berichte abzugeben. Am Anfang der Rede von der Auferstehung Jesu stehen nicht der weggerollte Stein und das leere Grab, sondern die Berichte derjenigen, die sagten: "Er lebt! Der Auferstandene ist mir erschienen." Das älteste erhaltene Zeugnis dieser Art findet sich im 1. Korintherbrief des Paulus in Kapitel 15.

Denn als Erstes habe ich euch weitergegeben, was ich auch empfangen habe: Dass Christus gestorben ist für unsre Sünden nach der Schrift; und dass er begraben worden ist; und dass er auferweckt worden ist am dritten Tage nach der Schrift; und dass er gesehen worden ist von Kephas, danach von den Zwölfen.
Danach ist er gesehen worden von mehr als fünfhundert Brüdern auf einmal, von denen die meisten noch heute leben, einige aber sind entschlafen. Danach ist er gesehen worden von Jakobus, danach von allen Aposteln.
Zuletzt von allen ist er auch von mir als einer unzeitigen Geburt gesehen worden. Denn ich bin der geringste unter den Aposteln, der ich nicht wert bin, dass ich ein Apostel heiße, weil ich die Gemeinde Gottes verfolgt habe. (1. Kor 15,3-8)

Wenn Sie also fragen, wie sich historisch das Verschwinden des Leichnams, der weggeschobene Stein etc. erklären, so lautet die Antwort: Das Historische ist der literarische Entstehungsprozess. Am Anfang steht das Bekenntnis zum auferstandenen Jesus Christus. Dann wurden Jahrzehnte später die Evangelien verfasst, die vom Leben, Sterben und der Auferstehung Jesu erzählen wollten - aus dem Glauben heraus! Wenn aber Jesus der Auferstandene Christus ist, muss ich eben auch von der Auferstehung "erzählen". Wer erzählt, malt sich aus, wie es wohl gewesen ist.

Der Autor Ihres Buches hat also den "Fehler" gemacht, die Evangelien als Tatsachenberichte zu verstehen. Wenn man das tut, muss man nach rationalen Begründungen suchen für etwas, das eine Glaubensaussage ist. Damit lassen sich prima Romane schreiben und Verschwörungstheorien ausdenken. Historisch richtig ist es aber nicht

Ich hoffe, ich konnte Ihre Frage zu Ihrer Zufriedenheit beantworten.
Herzlich, Frank Muchlinsky

 
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Kommentare

Also sagen Sie Herr Muchlinsky, dass die Bibel kein Tatsachenbericht ist sondern ein von Menschen erdachtes Buch?

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