Sind die Kirchen zu "lau" geworden?

gestellt von John am 17. September 2013
Saat

© Ivan Bajic/iStockphoto/Getty Images

Kann es sein das viele Christen/Kirchen/Gemeinden in Deutschland ,,lau'' sind/geworden sind (Offenbarung 3,15)? Wenn wir uns die Entwicklung der Kirchenbesuche, zunehmende Säkularisierung der Theologie, Abkehr von der Bibel als Wort Gottes anschauen, müssen wir uns nicht neu hinterfragen, ob wir im Willen Gottes handeln? Warum unterscheiden sich viele Kirchen von der ,,Urgemeinde'' (Apostelgeschichte), wenn sich Gott doch nicht verändert? Warum wird nicht mehr von Dingen wie Umkehr, Buße, Wiedergeburt, Jesu Wiederkunft geredet bzw. gepredigt? Kann Jesus heutzutage zu uns durch seinen Heiligen Geist überhaupt noch sprechen?

Lieber John,

Sie wünschen sich eine "sichtbare", wirksame und beteiligungsstarke Kirche. Die Bibel kennt auch andere Bilder, die aufmerksam werden lassen für das Handeln der Kirche: Die Saat, die im Verborgenen aufwächst; das Getreide, das neben Dornen und Fels auf guten Boden fällt - um nur zwei Beispiele zu nennen. Gott handelt in der Kirche nicht weniger und nicht mehr als andernorts in seiner Welt - das bedeutet auch, meine ich, eine eigene Selbstbegrenzung im Blick auf ein Urteil darüber, wie mächtig/ wirksam Gottes Handeln in unserer Welt ist. Und wie gut, dass es sich nicht von unserem menschlichen Handeln abhängig machen lässt! Auch wenn wir uns gewiss dann und wann einen höheren Kirchenbesuch wünschen würden: Die Annahme, es gebe hier eine Verfallsgeschichte innerhalb des Christentums, lässt sich statistisch nicht  belegen. Keineswegs ist es so, dass "früher" grundsätzlich mehr Menschen am kirchlichen Leben teilgenommen hätten als heute. Wir stehen heute allerdings vor ganz anderen Herausforderungen, in der einer Welt, die sich religiös pluraler und individueller darstellt. Das ist aber erstmal keine Gefahr, sondern ein großer Reichtum! 

Und noch ein Hinweis zur "Urgemeinde": Wären all die Ermahnungen, Hinweise, Ratschläge in den frühchristlichen Schriften denn wirklich nötig gewesen, wenn die frühen ChristInnen wirklich "ein Herz und ein Seele" gewesen wären? Auseinandersetzungen darum, was "richtiger" Glaube ist und über das, was ethisch richtiges Handeln ist, gehören von Anfang an zum Christentum dazu. 

Freundlich grüßt

Ihre Friederike Erichsen-Wendt

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Kommentare

Über den Abfall wird in der Bibel berichtet. (siehe Offenbarung des Johannes) Hier ist die Rede von einem Feigenbaum der seine Feigen abwirft. Für mich persönlich ist es besonders Erschreckend das viele Christen sich der Gesellschaft angepasst haben, etwas darstellen wollen, und überhaupt nicht mehr auf die Wiederkunft des Herrn warten. Hier kann der Heilige Geist nicht mehr wirken. Die ersten Christen haben zusammengehalten und sich gegenseitig unterstützt. Wo das Wort Gottes nicht mehr gelebt wird kann man auch nicht die Auferstehung des Herrn bezeugen.

Ich hoffe, die beiden (?) Schreiber nicht zu verletzen, wenn ich sie als (Erz-)Konservative sehe.

Bei der Aufzählung der vermeintlichen Verluste, die gleichzeitig Forderungen an des Verhalten der Kirchenmitglieder sind, fehlte mir Ihr eigenes Engagement und die Auskunft, weshalb Ihre angemahnte Lebensweise „besser“ sein soll. Nicht alles was früher war, ist automatisch besser. So fordert die Bibel, Kinder zur Erziehung auch grundlos zu schlagen. (züchtigt den Sohn, den er liebt). Alter „Wert“ für Sie? Von Gottes Gebot zum Steinigen, will ich nicht erst anfangen. Alte Werte oder zurecht Strafrechtsparagraphen?. Auch zu erwähnen - die lange in der Kirche nicht vorhandenen Frauenrechte. Wieso habe ich das Gefühl, Sie wollten das alles zurückdrehen. Doch ich kann mich auch irren.

Sie sagen nicht, ob die Kirche bei Erfüllung Ihrer Forderungen ehrlicher und lebendiger wird. Alles klingt eher nach einem Gruppendruck zur Anpassung. Also ein autoritäres Regime.

Sie wissen – Leben ist Veränderung. Was sich offensichtlich nicht verändert nennen wir zurecht tot. Veränderung bedeutet auch NEUES, Experimente, Mut zur Lücke, Altes aufgeben.

Finden Sie nicht, das die Kirche nach 1700 Jahren auch mal alte Zöpfe abschneiden sollte (weil da die Motten drin sind)? Jede Krise ist auch eine Chance. Die sollten Sie ergreifen, statt zu klagen und und nur „auf die anderen“ als die Übeltäter*innen zu zeigen. Zeigen Sie doch mal auf sich selbst und helfen Sie bei der Zukunft mit.

Für mich ist nur von Bedeutung ob man Jesus Christus als seinen Erlöser angenommen hat, oder nicht.
So wie es in den Schriften geschrieben steht.
Alle anderen Punkte von denen Sie gesprochen haben kann ich so in der Bibel nicht fnden.
Ich lese dort nichts von Unterdrückung der Frauen. Ganz im Gegenteil. Lesen Sie mal wie Jesus mit den Frauen umgegangen ist.
Alles weitere wovon Paulus sprach muss man im Zusammenhang mit dem Alten Testament lesen.
Gott sandte seinen Sohn nicht um die Menschen zu unterdrücken, sondern um Sie von der Sklaverei der Sünde zu befreien, Und ich lese dort auch das dies viel gekostet hat.

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