Wozu gibt es Jahreslosungen?

Gefragt von Sonja

Warum gibt es diese Jahreslosungen?
Und was soll man darunter Verstehen "Gott nahe zu sein ist mein Glück" (Jahreslosung 2014)?
Ich gehöre zu denen die sich noch nicht entschieden haben ob Sie den Weg mit Gott gehen.
Ich bin noch nicht sicher wohin meine Reise geht.

Gehe aber ab und an in die Kirche um Antworten zu finden.

Meist bleiben da nur noch mehr Fragen.

Wie diese eben.

Auch würde ich gern wissen wollen ab wann man eigentlich Glaubt? Ab wann man sich christlich verhält und lebt.

Frage über Fragen

Mit freundlichen Grüßen
Sonja

Liebe Sonja,

die Jahreslosungen sind mit den sogenannten Bibelleseplänen entstanden. Nach dem Ersten Weltkrieg begann der Reichsverband der Evangelischen Jungmännerverbünde (der Vorgänger des heutigen CVJM  - Christlicher Verband Junger Menschen) Bibellesepläne an Jugendliche zu verteilen. Sie sollten durch regelmäßiges Lesen die wichtigsten Texte der Bibel kennenlernen. Die erste Jahreslosung wurde 1930 zusammen mit zwölf Monatslosungen herausgebracht. Die Idee dabei war, dass die Monate und das Jahr unter engem bestimmten biblischen Thema stehen sollten.

Im Laufe der Zeit kamen immer mehr Organisationen hinzu, die diese Bibellese unterstützten. Mittlerweile (seit 1970) nennt sich die Organisation "Ökumenische Arbeitsgemeinschaft für Bibellesen". Sie gibt weiterhin für jedes Jahr einen Bibelleseplan, die Monats- und die Jahreslosung heraus. Die Jahreslosung ist immer ein Vers aus dem Bibelleseplan für das entsprechende Jahr und wird von dem jährlichen Delegiertentreffen der ÖAB gemeinsam bestimmt. Dabei achtet man darauf, dass die Übersetzung, die für die Losung gewählt wird, mal aus der Lutherbibel und mal aus der (katholischen) Einheitsübersetzung stammt.

Gestatten Sie mir einen kleinen Ausflug zu den Tageslosungen. Anders als die Monats- und die Jahreslosungen werden die Tageslosungen wirklich gelost, das heißt, die Herrnhuter Brüdergemeine wirft Bibelverse aus dem Alten Testament in eine große Losschale und zieht wirklich nach dem Zufallsprinzip für jeden tag des Jahres eine Stelle. Dann werden zu den einzelnen Losungen Texte aus dem Neuen Testament ausgesucht, von denen die Herrnhuter meinen, dass sie gut zu den Losungen passen. Das sind dann die sogenannten Lehrtexte.

Nun haben Sie nach der Losung von 2014 gefragt, was sie bedeutet. Dazu empfehle ich Ihnen eine Auslegung meiner Kollegin Anne Kampf, die einen sehr anregende Text über die Auslegung der Jahreslosung geschrieben hat. Vielleicht finden Sie da auch ein paar Antworten. Aber ich möchte Ihnen auch versichern, dass einem Christenmenschen die Fragen niemals ausgehen. Es ist nicht so, dass man den Weg zu Gott findet, und dann ist alles in Butter und gut. Vielmehr tauchen immer wieder neue Fragen auf – auch unangenehme – und dann ist es gut, die zu stellen. Ein paar kann ich beantworten, andere müssen Sie sich im Laufe der Zeit selbst beantworten. Viel Freude au Ihrem Weg wünscht

Frank Muchlinsky

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