Bestraft Gott Pornokonsum?

Gefragt von Dirk
Darf ich als Christ Pornos gucken?

© Marcos Calvo/iStockphoto/Getty Images

Hallo,

immer wieder plagt mich das Bild eines strafenden Gottes wenn ich irgendwelche Dinge gemacht habe, von denen ich annehme, sie seien nicht in Ordnung. Es führt dann sogar dazu, dass ich die Symptome, vor denen ich mich fürchte, auch wirklich bekomme - so sehr steigere ich mich in alles rein.
Gerade in Bezug auf Pornovideos, die ich gelegentlich schaue, fürchte ich die Strafe Gottes. Was denken Sie über den gelegentlichen Konsum solcher Filme? Ist dies bei einem Christen nicht zu tolerieren?
Überhaupt ist der ganze Bereich der Sexualität bei mir oft mit einem schlechten Gewissen verknüpft. Einen Grund hierfür sehe ich unter anderem in meiner früheren Mitgliedschaft einer Freikirche, die sich auch stark gegen Sex vor der Ehe aussprach.
Weil ich mit Gottes Hilfe schon einige Krankheiten überstanden habe, habe ich oft das Gefühl besonders in seiner Schuld zu stehen.

Viele Grüße

Dirk

Lieber Dirk,

Dass Sie beim Anschauen von Pornovideos ein schlechtes Gewissen beschleicht, teilen Sie vermutlich mit der großen Mehrheit aller Pornokonsumenten. Auch die evangelische Kirche steht der Pornografie kritisch gegenüber. Allerdings ist die Begründung dafür eine interessante. Der evangelische Theologe Peter Dabrock sagt dazu in einem Interview mit dem JS-Magazin (Evangelische Zeitschrift für Junge Soldaten) in de Juniausgabe 2014: "Pornos reduzieren Liebe auf Sex, machen Lust und Liebe zu virtuellen Objekten. Die Branche ist eine riesige Industrie mit 20 Milliarden Euro geschätztem Jahresumsatz. Oft werden die Darstellerinnen und Darsteller körperlich und seelisch ausgebeutet. Außerdem sind viele Pornos frauenverachtend und degradieren Frauen zum Lustobjekt."

Dennoch sieht Dabrock im Pornokonsum nicht grundsätzlich etwas Schlimmes: "Für Singles sind Pornos in Maßen unproblematisch. Bei Paaren sehe ich es entspannt, solange es einen nicht von der Partnerin wegzieht. Aber wenn die Beziehung leidet, wird es kritisch. Und natürlich, wenn man abhängig wird" (JS-Magazin).

Die Kritik der evangelischen Kirche wendet sich nicht gegen die Selbstbefriedigung beim Pornokonsum, sondern gegen die Weise, in der Pornos produziert werden und welche Auswirkungen sie auf die Darstellerinnen, Darsteller und Konsumenten haben können.

Darum, lieber Dirk, haben Sie mit Ihrem ersten Satz das Thema auf den Punkt gebracht, wenn Sie schreiben: "Mich plagt das Bild eines strafenden Gottes". Gott ist Ihnen anscheinend ausgesprochen nah, doch manchmal auf eine Weise, die Sie als bedrückend erleben. Wenn Sie so wollen, ist das die Kehrseite Ihrer engen Beziehung zu Gott. Sie erleben eine Heilung als Eingreifen Gottes, also ist es nur logisch, dass Sie ein Krankheit ebenfalls als Eingreifen Gottes erleben. Nun will ich Ihnen nicht wegnehmen, dass Sie in schweren Zeiten (wie bei Krankheiten) Gottes Nähe spüren, doch würde ich Ihnen raten, das nicht als einen "Deal" mit Gott zu verstehen. Sie stehen nicht mehr in Gottes Schuld als jeder andere Mensch auch. Sie müssen nicht extra dankbar sein, und (Achtung!) Sie können diese Schuld gar nicht ableisten, schon gar nicht, indem Sie beim Sex ein schlechtes Gewissen bekommen.

Mein Rat lautet also: Freuen Sie sich an Ihrem Verhältnis zu Gott und dass Sie ihn in schweren Zeiten spüren können. Für das, was wir in unserem Leben tun, werden wir uns vor Gott verantworten müssen. Aber dass Gott Sie direkt bestraft für etwas, von dem Sie meinen, dass es ihm missfällt, das glaube ich nicht.

Sehr herzliche Grüße

Frank Muchlinsky

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