Widerspruch Gültigkeit des Gesetzes

gestellt von Maik Reißmann am 28. März 2015

Guten Tag, in der Bergpredigt gibt es die Passage, in der Jesus "Auge um Auge" ablehnt, und stattdessen von Gewaltlosigkeit redet, er revidiert also das Wort des Alten Testamentes. Doch es heißt auch: "Doch eher vergehen Himmel und Erde als dass auch nur ein Strichlein vom Gesetz hinfällig wird" Wie ist nun dieser scheinbare Widerspruch zu erklären?

Lieber Herr Reißmann,

meine Auslegung des Satzes "Doch eher vergehen Himmel und Erde als dass auch nur ein Strichlein vom Gesetz hinfällig wird" ist folgende:

In dem Vers, der diesem Satz vorangeht, Mt 5,17 sagt Jesus: "Ihr sollt nicht meinen, dass ich gekommen bin, das Gesetz oder die Propheten aufzulösen; ich bin nicht gekommen aufzulösen, sondern zu erfüllen."

Es geht Jesus denke ich hier nicht um den Wortlaut des Gesetzes, sondern darum, wie man das Gesetz auslegen und anwenden kann. Seine Worte und Taten hat Jesus als gültige Auslegung des jüdischen Gesetzes verstanden.

Gerade Juden verstehen übrigens die Texte der Tora nicht als selbsterklärend oder "in Stein gemeißelt", sondern als Gegenstand eines permanenten Auslegungsprozesses. Deswegen gehört die Lektüre von Kommentarwerken und die lebendige Diskussion zum Lesen der Tora dazu.

Mit freundlichen Grüßen,

Ihre Irmela Büttner

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