Fehler in der "Neue Welt Übersetzung" der Zeugen Jehovas?

gestellt von Timo am 12. Oktober 2016

Hallo Herr Muchlinsky!

Darf ich Ihnen eine Frage zur Neuen-Welt-Übersetzung der Zeugen Jehovas stellen? Ich beziehe mich dabei auf einen Artikel, den der Theologe Dr. Dietrich Hellmund in "Brücke zum Menschen Nr. 181" schrieb. Ich zitiere:

"Empfehlenswert ist, wenn man – wie in der NWÜ geschehen – das Gebot 2. Mose 20,13 übersetzt: „Du sollst nicht morden“ (statt „nicht töten“). Das ist genauer als der uns vertraute Luthertext. Dies Ermessen des Übersetzers ist jedoch deutlich überschritten, wenn 1. Joh 5,8 in der NWÜ wegen der Ablehnung der Dreieinigkeitslehre lautet: „Diese drei sind in Übereinstimmung“. Das Wort kommt im Urtext gar nicht vor. Im Deutschen wäre es ein bekanntes Fremdwort „Harmonie“. Was aber wirklich dasteht, war dem Übersetzerteam sehr lästig. Sprachlich ist es ohne Schwierigkeit, obwohl es aus Zahlwörtern besteht: „Die Drei sind zum einen“ (hoi treis eis to hen eisin). Oder: Die 3 sind 1."

Warum verweist Dr. Hellmund an dieser Stelle auf die Dreieinigkeitslehre? In diesem Vers geht es doch nicht um Vater, Sohn und Heiligen Geist, sondern um Geist, Wasser und Blut. Das Comma Johanneum beginnt ja erst danach (gilt aber ohnehin als späterer Einschub). Oder verstehe ich da etwas falsch?
Dazu kommt, dass dieser Vers fast nirgendwo so wiedergegeben wird, wie Dr. Hellmund es hier vorschlägt. Luther 1984, Herder 2005, Schlachter 2000, Menge 1939, Zürcher 2007 - in all diesen Übersetzungen wird der Vers genauso, oder im gleichen Sinne wiedergegeben wie in der NWÜ. Kann man da wirklich sagen, dass "das Ermessen eines Übersetzers deutlich überschritten ist"?

MfG, Timo

Lieber Timo,

 

Dietrich Hellmund geht in seinem Aufsatz auf die Stelle in 1. Joh 5,8 ein, weil man die Übersetzung des Griechischen οἱ τρεῖς εἰς τὸ ἕν εἰσιν  als "Die Drei sind zum einen" trinitarisch deuten KÖNNTE.

Sie haben vollkommen Recht: In 1. Joh 5 geht es überhaupt nicht um die Trinität, sondern vielmehr um die Frage der Christologie. Der Verfasser will deutlich machen, dass Jesus nicht allein durch seine Taufe zum Christus wurde ("Wasser"), sondern auch durch seinen Tod am Kreuz ("Blut"). Damit wendet sich der Autor gegen ein rein geistliches Christusverständnis, das außer Acht lässt, das Jesus eben auch ein Mensch aus Fleisch und Blut war.

 

Die Zeugen Jehovas lehnen die Vorstellung einer Trinität ab. Für sie ist Jesus ein Geschöpf Gottes, zwar Gottes Sohn, ihm aber auch untergeordnet. Der Heilige Geist ist nach ihrer Vorstellung ebenfalls keine "Person" der Dreieinigkeit, sondern Gottes "wirksame Kraft". In ihren Augen wäre die Übersetzung "Die Drei sind eins" ein Einfallstor für eine trinitarische Gottesvorstellung, weswegen in der NWÜ "Diese Drei sind in Übereinstimmung" übersetzt wird, auch wenn es – wie Hellmund richtig sagt – wörtlich bedeutet: "Die Drei sind zum einen".

 

Diese Übersetzung finden Sie Übrigens in der "Einheitsübersetzung" tatsächlich wieder. Allerdings ist es gar nicht schlecht, hier anders als wortwörtlich zu übersetzen, denn es geht um "Drei Zeugen", die sozusagen aufgerufen werden zu bezeigen, dass Jesus der Sohn Gottes ist (vergleiche Vers 5). Das bezieht sich auf das alttestamentliche Zeugenrecht, wie es in 5. Mose 19,15 steht: " Es soll kein einzelner Zeuge gegen jemand auftreten wegen irgendeiner Missetat oder Sünde, was für eine Sünde es auch sei, die man tun kann, sondern durch zweier oder dreier Zeugen Mund soll eine Sache gültig sein." Es geht also darum, nicht nur einen Zeugen  gelten zu lassen (wie es die Gegner des Briefautors anscheinend gern hätten), sondern mehrere. Diese Drei bezeugen als alle das Gleiche. Man könnte formulieren: "Diese Drei sind ein (Zeugnis)." Oder eben auch "Diese Drei stimmen überein", wie Luther es übersetzt. Darum ist meines Erachtens auch die Übersetzung der Zeugen Jehovas hier nicht grundsätzlich zu kritisieren. "Diese Drei (ergänze "Zeugen") sind in Übereinstimmung" halte ich nicht für eine Überschreitung der Grenzen, die sich ein Übersetzer setzen sollte.

 

Allerdings stimme ich Herrn Hellmund durchaus zu, dass die NWÜ sich grundsätzlich von ihrer Theologie leiten lässt und die angebliche Genauigkeit ihrer Übersetzung darunter sehr leidet. Dafür spricht schon die scheinbar willkürliche Ersetzung des Wortes "kyrios" (Herr) im Neuen Testament durch "Jehova" an 237 von insgesamt 718 Stellen.

 

Ich grüße herzlich!

Frank Muchlinsky

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Kommentare

Hallo,

Man fand im letzten Jahrhundert Fragmente von Schriften aus der Zeit Jesu, die belegen, dass das Tetragramm in gebrauch war. Mindestens an den Stellen, an denen aus dem alten Testament zitiert wird aber logischerweise auch an vielen anderen Stellen muss das Tetragramm ursprünglich gestanden haben.

Gruß
Josua

Ich empfehle die neue Übersetzung:
,,Die ICH BIn Bibel
Verwendet den Namen Y'HOVAH an den meisten
Stellen im NT !
F. E. Schlachter verwendet den Namen im AT.
Ausgabe 1904
Leander van Ess kath. verwendet den Namen an einigen
Stellen im AT.

Im deutschen ist „Jehova“ seit Langem gebräuchlich. In der Ausgabe der Elberfelder Bibel von 1891 wird die
Verwendung dieser Form wie folgt begründet: „Wir haben diesen Namen des Bundesgottes Israels beibehalten, weil
der Leser seit Jahren an denselben gewöhnt ist

Im englischen Sprachbereich gibt es ebenfalls eine
Reihe von Übersetzungen.

Na Ja, M. Luther wusste natürlich auch bescheid.
Da gibt es eine Vielzahl von Texten

Sollte man mit berücksichtigen was andere
Übersetzer geleistet haben - in dieser Sache -
lange vor JZ.

Beste Grüße .

Die Hure sind die falschen Religionen, die sich mit der Politik eingelassen haben und Jesus sie deswegen verurteilt! Er wird als weisser Reiter und König alles Elend der Erde beseitigen im Krieg von Armagedon und dann gibt es eine neue Erde! Offenbarung 21

Hallo an alle die sich bisher zu diesem Thema geäußert haben und an alle interessierten Bibelforscher und Gläubigen:
Ich möchte gerne zu jedem der Beiträge etwas anmerken.
Erstens zu Josua:Das das Tetragrammaton zur Zeit Jesu in Gebrauch war „was man anhand von Schriften aus dieser Zeit nachweisen kann“ ist eine die biblische Botschaft arg verzerrende Aussage.Denn diese Schriften gehören nicht zu jenem Kanon den AUCH die Zeugen Jehovas als allein gültiges Wort Gottes anerkennen.Das Schriftgelehrte jener Zeit JHWH schrieben oder gar Aussprachen, steht in keinem Zusammenhang mit der Abfassung des Neuen Testaments,zu dem es kein einziges ursprüngliches Fragment gibt in dem der Name Jehova gebraucht wird.
Die Aussage von Josua ist etwas verwirrend weil ja niemand bezweifelt das jene vier Buchstaben die den Namen Gottes wiedergeben im Alten Testament vorkommen und also auch zitiert werden konnten.Im überwiegend griechisch verfassten und ausschließlich auf Griechisch erhaltenem Neuen Testament allerdings,kommen sie nicht ein einziges Mal vor.Dafür gibt es auch völlig einleuchtende Gründe,nämlich jene die Jesus und die Verfasser des Neuen Testaments dazu veranlasst haben statt JHWH,Herr zu gebrauchen.Auch wenn sie das Alte Testament zitieren.
Darum,zweitens zu Werner:Wer ohne gesicherte Neu-Testamentliche Zeugnisse das griechische Kyrios durch den nicht zweifelsfrei gesicherten Namen Jehova,oder ähnliche wiedergibt handelt willkürlich,nur aufgrund seiner persönlichen Überzeugungen,und ist daher auch kein zuverlässiger Zeuge,sondern ein eigenmächtiger.
Wenn diese unzuverlässige Vorgehensweise insgesamt angewendet würde,dann würde das Neue Testament nur noch für den Abfall taugen,weil es eben nicht um eine mögliche Übersetzungs-Variante geht,sondern den willkürlich vorgenommenen Austausch von überlieferten Aussagen.Wenn die Zeugen Jehovas oder andere die tatsächlich vorhandenen Quellen nicht für authentisch halten,sollten sie es lieber gleich mit der „Prophetin“ Gabrielle Wittek halten,und ein ganz und gar ihren persönlichen Bedürfnissen angepasstes Neues Testament selbst verfassen.Sehr weit ist ihre Ideologie ohnehin nicht davon entfernt.Wobei ich sie aber trotzdem als Mitmenschen weder verurteilen noch verachten möchte.Sie täuschen sich nur eben auch,sowohl in ihrer Vorgehensweise als auch in ihren Glaubensinhalten.
Darin unterscheiden sie sich aber nicht von anderen Kirchen.
Zum Beispiel (drittens zu Timo) der römischen Staatskirche,die im vierten Jahrhundert das Trinitätsdogma als einzigen „wahren Glauben“,und einige Jahrhunderte später das Komma Johaneum,aufgrund der schwierigrigkeiten die sich durch ein nicht nachzuweisendes Dogma ergaben,hinzufügen musste.Die Trinitätskirche die bis heute die brutalste,gewalttätigste und unbarmherzigste Kirche war die es je gab.Die Vorgehensweisen dieser Kirche sind im Neuen Testament selbstverständlich ebensowenig enthalten wie der Name Jehova.
Und zuguterletzt,also viertens zu Herrn Muchlinsky:
Als gut ausgebildeter Theologe hat er natürlich die allgemein anerkannte evangelische Auslegung studiert und wahrscheinlich einwandfrei wiedergegeben.
Diese ist ja,nach menschlichem Ermessen nicht nachweislich falsch,und kann es auch gar nicht sein,weil sie ja nicht eine Tatsache wiedergibt,sondern eine Meinung.Also hoffentlich kein unumstößliches Dogma durch das man,wenn man sich nicht dazu bekennt in die Hölle kommt,wie das früher und auch heute noch manchmal beim Trinitätsdogma war.
Der Text,so wie ich ihn lese,reduziert sich aber nicht auf „drei Zeugen“ und „Jesus als Mensch und geistiges,himmlisches Wesen“,sondern vor allem anderen auf die einmalige Sonderstellung Jesu Christi in seiner Kirche.Zeugnisse genügen ja Zwei,also „zwei oder drei Zeugen“,womit ja durch Wasser und Geist schon genüge getan wäre.Und das Jesus ein Menschliches Wesen ist das kann man ja auch anhand der durchaus physischen Taufe belegen.So wie bei ALLEN anderen die mit Wasser getauft werden.
Das Blut soll demnach nicht besagen,meiner Meinung nach zumindest,das Jesus auch Mensch ist,darum heißt es ja“nicht durch Wasser allein,sondern durch Wasser und durch Blut“,weil ALLEIN durch SEIN Blut die Rettung in der Christlichen Kirche ermöglicht wird,und er darum unangefochten Haupt sein muss!Es gab ja auch andere die ihr Blut im Namen Gottes vergossen haben,aber das Blut eines anderen,außer des Sohnes Gottes Jesus Christus trägt nichts zu unserer Rettung bei.So verstehe ich den Apostel.Das Wasser der Taufe ja,das empfangen des Heiligen Geistes ja,aber das vergießen unseres Blutes:Niemals.Die ganze Christliche Kirche wird durch Wasser und Geist geboren (Joh3,5),(das ist uns als Kirche Jesu also allen gemeinsam),aber die Kirche Jesu basiert auf dem Erlösungswerk am Kreuz durch Jesus Christus allein.Sein Blut allein kann uns erlösen.(Vergl. Röm 6,1-11).
Also die drei sind eins bedeutet demnach für mich:Die Taufe und der Heilige Geist und der Opfertod Christi gehen Hand in Hand und zeugen von Jesus und bezeugen mir das ich durch die Liebe Gottes die darin bezeugt wird das Jesus sein Blut vergießt und stirbt und er dies dadurch das ich an ihn glaube und auf seinen Namen getauft werde,stellvertretend auch für mich tut um gemeinsam mit ihm vor der Verdammnis gerettet zu werden.Ist es nicht so?Das ist meiner Meinung nach in meinen groben und unbeholfenen Worten die Aussage von 1.Joh5,4-13.
Andere sind ja auch getauft worden.Von Johannes oder Jesus und seinen Jüngern.Bezeugte das dann das sie keine Menschen waren,oder rein geistig?Ich glaube nicht.Wieder andere haben ihr Blut vergossen.Schlimm,aber was macht den Unterschied wenn es um Jesus geht?
Es geht um die Kirche Jesu Christi,um zuverlässige Zeugnisse die allen etwas zuverlässiges bezeugen sollen.
Mit einem dreieinigen Gott hatte der ganze Text jedenfalls noch nie etwas zu tun.Da zumindest bin ich mir sicher.

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