Der Besessene von Gerasa (Lukas 8)

Gefragt von Milly

Sehr geehrter Herr Muchlinsky, der Besessene von Gerasa hat bei meinem Sohn sehr viel Unverständnis erzeugt. Könnten Sie bitte für einen 12-jährigen Jungen diese Geschichte erklären. Die armen Schweine können einem Leid tun. Auch der Eigentümer der Schweine wird schuldlos bestraft. Wieso konnte Jesus die Dämonen nicht "schadlos entfernen"? Mit freundlichen Grüßen Milly

Liebe Milly,

ich hoffe, es ist in Ordnung, wenn ich stellevertretend für Herrn Muchlinsky Ihre Frage beantworte. Die von Ihnen erwähnte Erzählung (z.B. Lk 8) ist ziemlich schauerlich. Für uns Erwachsene und ganz besonders für Kinder. Mir geht es im Übrigen wie Ihrem Sohn: Die armen, unschuldigen Schweine! Wegerklären kann man die toten Schweine nicht. Der Fokus der Erzählung liegt ganz und gar auf der tödlichen Gefahr, die von den Dämonen ausgeht, und auf der Macht Jesu. Das verlangt uns LeserInnen einiges ab! Gerne möchte ich aber versuchen, die Erzählung für (Sie und) Ihren Sohn ein wenig einzuordnen.

 

Wie gut, dass Du diese Erzählung der Bibel kennst und Dich so um die Schweine sorgst! Arme Schweine! Womit haben sie das verdient?

Die Geschichte ist ja ganz schön schaurig: Ein von Dämonen besessener Mann wohnt in Grabhöhlen und schreit wild um sich. Er ist von einer ganzen Legion (das sind mehrere Tausend!) bösen Geister befallen. Als Jesus kommt, verlassen die Dämonen den Mann und fahren in die Schweineherde. Die Schweine rennen in den See und ertrinken. Es klingt fast wie ein Märchen. Am Ende freuen wir uns, dass Jesus die Macht hat, Dämonen auszutreiben. Sogar die bösen Dämonen haben erkannt, dass er der Sohn Gottes ist. Doch was ist mit den Schweinen?

 

Die Schweine sind im Judentum unreine Tiere. Auch Jesus war Jude und kannte natürlich die Gebote seiner Religion. Eins davon lautete, sich von allem Unreinen fernzuhalten und kein Schweinefleisch zu essen. In der Erzählung tauchen die Schweine also mit Absicht auf. Wenn wir genau lesen, erfahren wir, wer auf die Idee mit den Schweinen gekommen ist: Die Dämonen selbst sagen: „Lass uns in die Säue fahren!“ (Mk 5,12). Jeder, der die Geschichte damals gehört hat, hat vermutlich gelacht und sich gedacht: „Ausgerechnet in die Schweine wollen sie? Na da gehören sie hin! In die unreinen Tiere!“ Jesus erlaubt den Dämonen das und sie verlassen den besessenen Mann. Sie fahren in die Schweine, stürzen in den See Genezareth und ertrinken.

 

Ob Jesus Mitleid mit den Schweinen hatte, erzählt die Geschichte nicht. Ich bin mir aber sicher, dass dem Tierfreund Jesus das Leben der Schweine nicht völlig egal war. Es war auch nicht sein Plan, dass die Dämonen in die Schweine fahren und danach ertrinken. Die Dämonen wussten, dass sie vor Jesus nicht sicher waren. Sie konnten nicht länger in dem Mann bleiben. Bevor sie einen oder gar viele andere Menschen befallen, hat Jesus ihnen erlaubt, in die Schweineherde zu fahren. Schweine waren immerhin die unreinen Tiere. Das war noch der beste Ort für böse Geister. Dass sie mit den Schweinen ertrinken, zeigt, wie gefährlich sie waren. Die Geschichte möchte zeigen, wie mächtig Jesus ist und wie gefährlich die Dämonen waren. Die Schweine sind leider die Leidtragenden dieser Erzählung.

 

Uns tun die Schweine leid. Wir glauben auch nicht mehr an Dämonen. Für uns sind Schweine auch keine unreinen Tiere. Niemand möchte, dass Tiere ertrinken! Ich finde es deshalb gut, dass Du dich um die Tiere auf der Erde kümmerst! Und ich finde es gut, dass du die Bibel so kritisch liest! Tiere sind Geschöpfe Gottes. Genau wie wir.

 

Herzliche Grüße

Helge Bezold

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Kommentare

Hallo Helge,

deine Auslegung ist recht gut.

Aber das folgende ist falsch und eine Lüge, die vom Teufel direkt kommt:
"Wir glauben auch nicht mehr an Dämonen."
Es gibt Dämonen, die Bibel und die Geschichte bezeugt dies. Wer ist denn "Wir". Also ich und viele andere kannst du ja nicht meinen. Also erzähl keine falschen Sachen.

Es gibt Dämonen, doch müssen wir vor Ihnen keine Angst haben, solange Jesus mit uns ist und wir uns immer an ihn wenden.

Den er ist mächtiger als sie.

Viele Grüße