Sinn der Menschheit

gestellt von Andreas am 21. November 2018

Hallo!
Zunächst möchte ich mich erklären: Ich bin in einem gläubigen, christlichen, evangelischen Elternhaus aufgewachsen und war auch als Jugendlicher in einer Gemeinde aktiv. Mit dem Beruf und anderer Interessenlagen habe ich den Anschluss aber verloren. Da ich jedoch tief in mir weiß, dass die einzige Lösung aller Fragen und Probleme in Jesus Christus liegt, möchte ich gerne wieder zurück finden. Der Kern der guten Nachricht ist bei mir ankekommen. Die Theologie und die evanglikale Botschaft habe ich verinnerlicht. Es gibt jedoch eine elementare Frage, die das ganze Gerüst der christlich-gläubigen Denkweise ins Wanken bringt:
WARUM erschafft Gott die Menschen mit seinem allwissenden Voraussehen? Dass Gott die Menschen liebt, ist mir klar, sonst hätte er in Voraussicht nicht sogar seinen Sohn für unsere Sünden geopfert und ihn diese Qualen erleiden lassen. Dasss Gott nicht das Böse will, verstehe ich auch. Aber warum wählte er den Weg für neue Wesen die Menschen? Warum schuf er uns nicht engelsgleich ohne Sünde, wenn er Gesellschaft wollte? Warum erschuf er Wesen, die sich in seiner Voraussicht erst abwendeten, um sich dann individuell wieder für ihn zu entscheiden? Mir ist die überspannende Theologie klar, aber nicht der Grund für unser Dasein von Gott aus. Was soll die Entscheidung hier auf Erden für ihn, oftmals durch viel Trübsal? Warum gibt es uns als Menschen? Soviel Aufhebens, nur weil Gott Gesellschaft im Himmel will? Ich muss gestehen, so gerne ich "auf der Spur" mit Gott bleiben will, das "Modell" Erde und Mensch ist für mich derzeit sehr schwer zu verstehen. Gott ist das Gute. Doch er hat gewußt, welches Leid NACH der Erschaffung des Welt-Mensch Konstrukts entsteht. Er geht sogar so weit, seinen Sohn zu ofpern. Warum? Warum erschuf er uns nicht als Engelwesen ohne Sünde, warum dieser Weg? Nur mit Liebe läßt sich das ja auch nicht argumentieren. In der Erschaffung liegt ja der Knackpunkt. Warum erschuf Gott Menschen überhaupt? Gott an sich wird doch nicht langweilig sein?
Ehe ich jetzt einen Roman beginne, schließe ich besser. Vielleicht können Sie mir auf die Sprünge helfen, warum Gott uns Menschen überhaupt geschaffen hat.
Danke für Ihren Internetauftritt.
Viele Grüße,
Andreas Schwedt.

Lieber Herr Schwedt,

der Sinn der Menschheit - ja, das ist eine gute Frage, die Sie stellen. Sie haben völlig recht, wenn Sie sagen, dass Gott uns Menschen ja niemals hätte schaffen müssen, denn was hat er eigentlich davon. Stimmt - nicht viel. Die ganze Sache ist bloß etwas verzwickt, denn wenn es keine Menschen gäbe, das hieße also auch uns beide nicht, dann hätten wir jetzt diese Frage überhaupt nicht und wir wissen gar nicht, ob es den Planeten Erde dann geben würde. Warum Gott uns Menschen überhaupt geschaffen hat, können wir also nur schwer fragen, weil wir immer wieder bei der Antwort heraus kommen werden, dass er uns doch geschaffen hat, weil wir ja von uns ausgehen. Ich hoffe, Sie können den Kreislauf der Frage ebenfalls erkennen. Aus meiner aktuellen Lage und der Verzwicktheit der Situation möchte ich Ihnen folgendermaßen antworten:

Wenn wir den Schöpfungserzählungen folgen, die wir aus dem ersten Buch Mose, Kap. 1 kennen, dann würde ich sagen, dass Gott uns als Bewacher und Beobachter der Erde geschaffen hat. Dort heißt es:

26 Und Gott sprach: Lasset uns Menschen machen, ein Bild, das uns gleich sei, die da herrschen über die Fische im Meer und über die Vögel unter dem Himmel und über das Vieh und über die ganze Erde und über alles Gewürm, das auf Erden kriecht.

27 Und Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde, zum Bilde Gottes schuf er ihn; und schuf sie als Mann und Frau.

28 Und Gott segnete sie und sprach zu ihnen: Seid fruchtbar und mehret euch und füllet die Erde und machet sie euch untertan und herrschet über die Fische im Meer und über die Vögel unter dem Himmel und über alles Getier, das auf Erden kriecht.

Sie sehen also, wir sollen gut auf die Erde aufpassen. Wir sind die "Verwalter" der Erde, dessen, was Gottes Schöpfung ist. 

Nun ist auch die Frage, wie er uns geschaffen hat, womit wir bei der Geschichte des sog. Sündenfalls in Gen 3 sind. Denn er hat uns als mit Freiheit beschenkte Wesen geschaffen. Wir können also mit eigenem Verstand entscheiden was wir tun oder was wir eben nicht tun. So kam es auch, dass Adam und Eva, die ersten beiden Menschen, vom Baum der Erkenntnis aßen und aus dem Paradies, welches Gott für sie vorgesehen hatte, ausgeschlossen wurden. Damit hat sich die Aufgabe der Menschen etwas verlagert. Natürlich ist es weiterhin die Bewachung der Erde, aber es ist auch die Erfüllung des Lebens bis hin zur Erlösung am Ende des Lebens.

Vielleicht können Sie die von Ihnen gestellte Frage auch selbst beantworten: was macht für Sie den Sinn des Lebens aus? Was macht das Leben lebenswert? Ihre Antwort lässt sich sicher auf den Sinn der Menschheit übertragen.

Pia Heu

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Kommentare

Warum gibt es den Menschen? Eigentlich eine dreiteilige Frage.

1. Warum gibt es den natürlichen Menschen, eine lebendige ewige Seele? Jetzt aber Sünder und totgeweiht?
- Weil Gott es so wollte und wusste. Er hat ein Ziel, einen Plan.

2. Warum gibt es jetzt im Gegensatz dazu den neuen, aus lebendigem Geist und Wasser wiedergeborenen, Menschen Gottes?
- Weil Gott es so wollte und wusste. Er verfolgt sein Ziel, seinen Plan konsequent.

3. Warum hat Gott nicht gleich den Menschen sündlos und für Seinen Himmel perfekt geschaffen?
- Weil Gott es so wollte und wusste wie es ist und sein wird. (Perfekte Geschöpfe als Diener hat Gott im Himmel in den Engeln.)

Was Gott wollte, will und letztlich auch bekommt und warum es Menschen gibt:
- Die Erfüllung Seines ewigen Ratschlusses durch den Sohn. (Eine Zwischenstation vor der Verherrlichung ist das Kreuz.)
- Seine eigene und des Sohnes Verherrlichung und Gemeinschaft in Gedanken und Werken mit erlösten Sündern und jetzt Anbetern, seinen Kindern, in und bei sich selbst und dem Sohn.
- Gott wohnt dann letztendlich ewig bei den Menschen (Glaubenden), die Hütte Gottes bei den Menschen, auf einer neuen Erde.
- Gott und das Lamm in ihrer Mitte. Was Gott von Anfang an wollte.

Danke, du großer Gott für die Liebe, Gnade und Wahrheit in Weisheit im Sohn!

Bei der Frage und den beiden Antworten finde ich es erhellend, das vom Sinn der Menschheit, Ruck Zuck zur Sünde gekommen wird.

Um es kurz zu machen: Sünde gibt es nicht.

Mir ist klar, den Religionen mit so einer Aussage de Geschäftsgrundlage zu entziehen. Sündenfreie Menschen brauchen keine Religion. Engel sind auch nicht evangelisch.

Doch wie begründe ich meine provokatorische Aussage? Mit 2 Argumenten:

1. der Allmacht Gottes.
Allmacht heißt: Es kann nichts existieren, was Gott nicht will. Könnte etwas existieren, das Gott nicht will, wäre das stärker als Gott – also Allmacht Ade.

2. Die Allvollkommenheit Gottes.
Ein allvollkommener Gott kann auch nur Allvollkommenheit erschaffen.

Gäbe es also die Sünde, wäre sie von Gott gewollt, also willkommen. Oder sie wäre Teil der Allvollkommenheit der Schöpfung. Jedenfalls wäre sie etwas total anderes als der heutige Kult um sie es demonstriert.

Die Freiheit als böses Element einzuführen (ohne Freiheit gäbe es keine Sünde), halte ich für dermaßen.........ich halte mich zurück. Die Kirchen haben offensichtlich die Freiheit schon immer als Feind betrachtet.

Woher kommt die Sünde? Sie wurde von den frühen Religions-Designern erfunden, um das Volk zu disziplinieren.
Da die Sicherheitskräfte des Herrschers nicht überall sein konnten, hat man mit der Sünde den Kontrolleur des Wohlverhaltens in jedermanns-frau Kopf implantiert. Der Big Brother war Gott, da nur Er ständigen Zugang zu den Gehirnen hatte. Unsere gegenwärtige technische allround-Überwachung, ist dagegen Roboterbauen in der 2. Klasse.

Gesetze sind Menschenwerk und beziehen ihre Autorität vom Staat. Gesetze ändern sich, wie die Gesellschaft. Sünden ändern sich nie, da Gott in der Bibel nie novelliert. Da müssen zB junge unverheiratete Mädchen bei Sex gesteinigt werden. Ich habe oft in Gemeinden nachgefragt, wann bei ihnen die nächste Steinigung wäre. Aber die nahmen Gottes Gebote alle nicht ernst und steinigten nicht – was eine schwere Sünde ist, weil es von Gott befohlen wurde. Auch wollte niemand Sklaven halten, obwohl das von Gott als rechtens kommuniziert ist.

Oder die Kirchen tricksen. Das 10. Gebot sagt eindeutig aus, das die Frau (die Kinder), die Sklaven, die Kamele und die Stereo-Anlage, alleiniger Besitz des Mannes sind. Würden Sie diese Brisanz, hinter diesem offiziellen Text vermuten?
„Du sollst nicht begehren deines Nächsten Weib, Knecht, Magd, Vieh noch alles, was dein Nächster hat.“
Von einer Nächsten ist auch keine Rede.
Wurde das im Religionsunterricht je so gedeutet, das hier der Besitz (alleinige Verfügbarkeit) des Mannes durch Gott fixiert ist?

Wenn schon christliche Gemeinden, Gottes Gebote (diese und andere) ignorieren und sündigen, sollte das Anlass sein, mal über das Prinzip selbst neu nachzudenken. Gesetze statt Gebote. Gesetze in einer Demokratie sind menschlicher als Gottes Vorschriften aus der Bronzezeit.

Ohne Sünde kein End-Schauprozess, keine Strafe, keine Hölle. Schrecklich oder wunderbar?

Der reale Gott ist Liebe. Liebe macht sowas, was die Bibel Gott an Scheußlichkeiten unterstellt, nicht.

Schön, damit haben Sie ungefähr die Position, der meisten evangelischen Christ*innen heute. So ganz verstehe ich nicht, woran Sie sich eigentlich abarbeiten. Und was Sie da für ein mittelalterliches Kirchenbild haben. Das Thema Sünde (oder Hölle) werden Sie heutzutage so gut wie nirgends in einer evangelischen Kirche finden. Genausowenig wie Gebote, denn sie gelten für uns nicht. Durchaus aber Themen wie individuelle Schuld, Fehltritte, Gewissensbisse - und vielleicht ist es das, was Menschen früher als "Sünde" bezeichneten. Ansonsten, ja, ist Gott Liebe. Und was anderes sagt weder die Bibel, noch die Verkündigung des Wortes Gottes. ;)

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