Vergibt Gott mir meine Sünden, wenn ich darum bitte?

gestellt von Armin am 27. Januar 2019

Kann ich den Herrgott im täglichen Gebet direkt um Vergebung der Sünden bitten, ohne dass eine geistliche Person dabei ist? Das "Unser Vater" bete ich ja seit einiger Zeit intensiv, früher weniger, und "vergib uns unsere Schuld". Ich verweise dabei auf seinen Sohn Jesus Christus, der für die Vergebung der Sünden unter grässlichen Schmerzen für uns gestorben ist? Zwischen dem 35. und 45. Jahr hatte ich leider Sex mit Frauen und in den letzten Jahren korrespondierte ich mit Frauen, deren Adressen ich in Internetplattformen erwarb. Ich bereue es sehr, weil mir der Herrgott eigentlich eine gute Frau gab. Am letzten Montag wurde ich 79 und bin kinderlos. Darf ich den Herrgott für die Vergebung der grossen Sünden bitten, ich denke alle Monate bis zu einem halben oder ganzen Jahr?
Vielen Dank und freundliche Grüsse und den Frieden Gottes.

Lieber Fragesteller,

die Frage nach der Sündenvergebung beschäftigt Sie ja ganz schön! Mit 79 Jahren schauen Sie vielleicht noch einmal auf Ihr Leben zurück und bereuen manche von Ihren Taten. Wenn ich Sie richtig verstehe, hatten Sie während Ihrer Ehe auswärtige Beziehungen zu Frauen. Früher kam es zu sexuellen Kontakten, nun haben Sie Kontakt mit Frauen im Internet. Ihrer Frage kann ich leider nicht entnehmen, ob Sie mit Ihrer Frau noch zusammen leben - daher gehe ich darauf nicht explizit ein.

Ich kann verstehen, dass Sie sich schuldig fühlen. In der Ehe versprechen sich zwei Menschen Treue und Liebe. Dies schließt meistens auch die sexuelle Treue mit ein. Nicht umsonst sagt das 6. Gebot: "Du sollst nicht ehebrechen!". Geheimnisse und Unehrlichkeiten können zu einem Vertrauensbruch führen, der nur schwer zu heilen ist.

Nach evangelischer Sicht ist Gott uns gnädig, wenn wir unsere Taten aufrichtig bereuen. Wenn wir mit zerknirschtem Herzen zu ihm beten, vergibt Gott uns unsere Schuld. Jesus Christus hat am Kreuz alle Schuld auf sich genommen. Er hat sie mit in den Tod genommen - so werden uns unsere Sünden nach dem Tod nicht mehr angerechnet.

Manchmal ist es aber dennoch wichtig, solche großen Gewissenskonflikte nicht mit sich selbst auszumachen. Es kann helfen, mit anderen darüber zu reden. Mit Freundinnen und Freunden. (Oder vielleicht sogar mit Ihrer Frau?) Auch mit Geistlichen können Sie reden, denn Sie unterliegen dem Seelsorge- und Beichtgeheimnis, sie dürfen das Gehörte nicht weitererzählen. Sie können einem im Gespräch die Vergebung zusprechen. Das entlastet! Auch Rituale wie Andachten, Gottesdienste und Gebete helfen beim Verarbeiten der eigenen Schuld.

Aber für's Erste: Beten Sie das Vater Unser und bitten Sie Gott aufrichtig um Vergebung. Gott erbarmt sich unser.

Herzliche Grüße,

Johanna Klee

 

 

 

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