Bin ich getauft?

gestellt von Marina am 17. Februar 2019

Guten Abend.
Vielleicht ist es etwas ungewöhnlich, aber ich weiß nicht, ob ich getauft wurde. Meine (verstorbene) Mutter hat behauptet, ich sei in Serbien orthodox getauft worden. Ich bin in Deutschland geboren und aufgewachsen. Ich habe keinerlei Unterlagen hierzu gefunden. Von meiner jüngeren Schwester gibt es eine Bescheinigung in kyrillischer Schrift. Ich bin mir nicht sicher, ob meine Mutter sich da richtig erinnert hatte, da sie zu der Zeit schon einen Hirntumor hatte. Mein Mann und ich haben deshalb nicht kirchlich heiraten können, keine Unterlagen, keine Hochzeit. Und taufen wollte man mich ebenfalls nicht, da ich ja mutmaßlich bereits getauft sein soll...
Ehrlich gesagt macht mir das schon zu schaffen, ich kann niemanden mehr fragen, weil aus meiner Herkunftsfamilie bereits alle seit Jahren verstorben sind. Mir geht es nicht mehr um die kirchliche Trauung (sind jetzt schon 15 Jahre verheiratet und Gott wird uns auch ohne einen Mittler seinen Segen gegeben haben). Aber ich möchte einfach Sicherheit haben, dass ich die Taufe erhalten habe oder noch erhalten kann.

Liebe Marina!

Entschuldigung für die späte Antwort!

Tatsächlich macht mich die Frage etwas ratlos. Denn wie Sie selbst sagen: Wenn sie bereits orthodox getauft wurden, schließt das eine erneute Taufe aus. Ich kann Ihnen nur raten, sich selbst auf die Spur zu begeben. Haben Sie die Möglichkeit herauszufinden, in welcher Kirche Sie getauft wurden? Hierzulande werden Taufen in den Kirchbüchern der jeweiligen Kirchbücher eingetragen. Vielleicht hat Ihre Taufkirche noch Unterlagen zu Ihrer Taufe? Es kann natürlich gut sein, dass das in Serbien nicht der Fall ist.

Sind definitiv keine Unterlagen vorhanden, würde ich an Ihrer Stelle noch einmal bei Ihrer Kirchengemeinde nachfragen. Diese müsste sich rechtlich absichern, was in einem Ihrem Fall zu tun ist. Das könnte auch bedeuten, Sie zu taufen, wenn nicht nachgewiesen werden kann, dass Sie getauft wurden. Das kann allerdings nur Ihre Gemeinde bzw. Ihr Pfarrer oder Ihre Pfarrerin in Absprache mit der Landeskirche entscheiden. Möglich ist aber auf jeden Fall, einen Tauferinnerungs-Gottesdienst zu feiern und Sie dann als Kirchenmitglied aufzunehmen.

Ich wünsche Ihnen dennoch alles Gute und hoffe darauf, dass Sie eine Antwort finden mögen!

Beste Grüße,

Johanna Klee

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Kommentare

Liebe Marina hier mein Rat:
1. Schritt: auf die Urkunde der Schwester schauen, von wem die Taufurkunde ausgestellt wurde und die Kirche in Serbien ausfindig machen. Dort anfragen, ob es Unterlagen zu Ihnen gibt. Falls auch das nicht möglich ist, wenden Sie sich an die Vertretung der Serbisch Orthodoxen Kirche https://eparhija-nemacka.com und fragen nach, ob die Ihnen weiterhelfen können. Ich bin mir sicher, dass auch in der Orthodoxen Kirche vollzogene Taufen in Büchern eingetragen werden.

Falls das nicht klappt:
2. Schritt: in der weiteren Familie bzw. am Herkunftsort Ihrer Mutter fragen, ob über Ihre Taufe etwas bekannt ist. Auch in der Orthodoxen Kirche gibt es Taufpaten, die Ihre Taufe bezeugt haben müssen und es werden Gäste zum Gottesdienst geladen. Zur Dokumentation Ihrer Taufe reicht dann deren Zeugnis, also eine schriftliche Versicherung, dass sie zu diesem Zeitpunkt an diesem Ort getauft wurden.
Eine gute Möglichkeit ist hier Facebook. Stellen Sie ein Foto Ihrer Mutter aus jungen Jahren ein und bitten darum es zu teilen und sich zu melden, wenn sich jemand erinnern kann.

Sollte sich auf diese Weise kein Beleg für Ihre Taufe finden lassen, haben Sie eigentlich alles Ihnen mögliche unternommen, - mehr geht nicht!

Ich als Pfarrerin würde dann, wenn Sie mir von diesem Problem berichten, davon ausgehen, dass Sie nicht getauft sind und würde Ihnen - nach Unterweisung - die Taufe anbieten. Für mich überwiegt hier die Seelsorge an Ihnen das Ordnungs-Interesse meiner Kirche.
Sie möchten getauft sein oder getauft werden. Sie möchten die Gewissheit. Diese Gewissheit ist auf keine andere Weise herstellbar, außer man vollzieht die Taufe (neu). Andernfalls verweigert man einem möglicherweise ungetauften Menschen, der um die Taufe bittet, ebendiese. In meinen Augen wäre das die größere Sünde als eine Wiedertaufe aus Unwissenheit.
Ich gehe hier davon aus, dass Mk 2,27 gilt und das Wohl eines Menschen mehr wiegt als kirchliche Ordnung. Eph 3,5 scheint mir hier nicht anwendbar, denn wahrscheinlich 0 ist eben nicht genau 1.
Um meiner Pflicht nachzukommen müsste ich natürlich den Kirchenvorstand mit einbeziehen, Dekan und Regionalbischof/Propst, ob die meine Entscheidung mittragen.

Wenn Sie jedoch selbst um Ihr Seelenheil fürchten, weil Sie meinen, durch eine mögliche Wiedertaufe eine Todsünde zu begehen, dann wenden Sie sich an einen römisch-katholischen Priester. Die katholische Kirche praktiziert auch die sogenannte Konditionaltaufe, einen Ritus zur (Wieder)Taufe für den Fall, dass bei einem Eintritt/Übertritt in die römisch-katholische Kirche Zweifel daran bestehen, dass die Taufe einer anderen Konfession rite (also korrekt) vollzogen wurde oder überhaupt vollzogen wurde. Dann heißt es: "Unter der Bedingung, dass du nicht gültig getauft bist, taufe ich dich …"
Auch die Selbständig-Lutherische Kirche (SELK) kennt und vollzieht die Konditionaltaufe. In den EKD-Gliedkirchen ist sie leider nicht vorgesehen.

Übrigens ist Ihr Problem schon öfters aufgetreten. Es betraf vor allem Spätaussiedler aus ehemaligen Sowjet-Staaten. Die - weil's offiziell verboten war - oft heimlich im Familienkreis getauft wurden und keinen amtlichen Nachweis über ihre Taufe hatten. Alle Landeskirchen haben damals für sich Wege gefunden, wie sie Menschen wie Ihnen helfen können.

Den Vorschlag sich via Tauferinnerungsgottesdienst in die evangelische Kirche aufnehmen zu lassen, kann ich allerdings nur als Dummfug bezeichnen. Ein Tauferinnerungsgottesdienst ist schön, aber keine Amtshandlung, die Kirchenmitgliedschaft begründet. Man erinnert sich an eine Taufe, dazu muss man sich aber auch erinnern können oder etwas haben, das die Erinnerungen anderer daran festhält. Was bei Ihnen ja gerade nicht der Fall ist. Und selbst wenn hätte es für Ihr Problem keinen Nutzen.

Mitglied werde ich in der Kirche nur über die Taufe. Bei einem Eintritt in die ev. Kirche MUSS das Taufdatum und der Taufort eingetragen werden, beides sollte dokumentiert sein, entweder durch eine Tauf- oder Konfirmationsurkunde, den Eintrag im Stammbuch der Eltern, einem Behördenbeleg über den Austritt oder durch eine schriftlich fixierte und vor allem glaubhafte Aussage von Taufzeugen, i.d.R. der Taufpaten. Es muss ein Taufdatum und einen Taufort geben und eine Gemeinde die getauft hat. Der muss ich ja den Eintritt auch melden.
Kann ich kein Datum, keinen Ort und keine Gemeinde nennen und keinerlei Nachweis bringen, kann ich nicht in die Kirche eintreten, denn ich habe keinen Beleg dafür, dass ich der einen Kirche Jesu Christi angehöre, Christ bin. Und genau DAS ist ja Ihr Problem, liebe Marina. Sie haben ja nicht einmal einen gefühlten Beleg dafür, sondern große Zweifel.

Also noch einmal kurzgefasst: Bemühen Sie sich selbst noch einmal um einen Nachweis Ihrer Taufe bei der Serbisch Orthodoxen Kirche und im Herkunftsort Ihrer Mutter, lassen Sie sich von der Serbisch Orthodoxen Kirche einen schriftlichen Nachweis geben, wenn kein Beleg gefunden werden kann. Setzen Sie sich dann mit dem ev. Pfarramt Ihres Wohnortes in Verbindung und lassen sich weiterhelfen.
Falls man Ihnen dort nicht weiterhelfen will, - es gibt ja merkwürdige Gemeinden -, wenden Sie sich an eine katholische oder selbständig-lutherische Gemeinde. Diese Ungewissheit, nicht getauft zu sein, müssen Sie jedenfalls nicht weiter tragen.

Danke für die Ausführung. Für den Wiedereintritt müssen allerdings (zumindest bei uns) keine weiteren Unterlagen eingereicht werden, wenn keine vorhanden sind. Mir reicht das Taufdatum und der Taufort für das Eintrittsformular, bestenfalls gibt es eine Taufurkunde. Mit Tauferinnerung meine ich hier einen Ritus zur Tauferneuerung.

Tauferneuerung gibt es als festen Ritus meines Wissens so nur in der Pfalz. Ist aber auch egal, ob nun Tauferinnerung oder Tauferneuerung oder sonntägliches Taufgedächtnis beim Bekreuzigen mit Weihwasser, das alles setzt eine vollzogene Taufe voraus. Denn ich muss was haben, was ich erneuern oder erinnern kann. Gibt's das nicht oder nicht gesichert, macht das Ritual keinen Sinn. Ich sehe auch nicht, wo das der Fragestellerin irgendwie weiterhelfen würde.
Zum Christen werde ich dadurch auch nicht, Christ werde ich alleine und ausschließlich durch die Taufe auf den Namen des dreieinigen Gottes.
Und dass sie sich dieser nicht sicher sein kann, dass sie sich nicht sicher sein kann Christin zu sein, das lese ich als Marinas Problem. Da möchte sie für sich eine Gewissheit haben.
Um in die Kirche einzutreten, braucht man ganz sicher auch in Ihrer Landeskirche, Frau Klee, einen Beleg des Austritts aus einer Denomination, - vom Standesamt, Amtsgericht, Ortsgericht oder welcher Behörde auch immer. Austreten kann ich nur aus was, in dem ich drin bin und in die Kirche hinein kommt man nur durch die Taufe. Die begründet die Mitgliedschaft und letztendlich auch die Möglichkeit eines Konfessionswechsels.
Ist dieser Beleg nicht zu führen und auch sonst, sind Sie als Pfarrerin aufgefordert, die angegeben Daten zu überprüfen, denn bei der Eintrittserklärung handelt es sich um ein amtliches und rechtsgültiges Dokument. Das darf man ruhig ernst nehmen, denn für den Eintretenden sind damit erhebliche Konsequenzen verbunden, z.B. die Kirchensteuer zu zahlen.
Sie sind von Amts wegen verpflichtet, die gemachten Angaben zu überprüfen, entweder in dem Ihnen ein Originalbeleg oder eine beglaubigte Abschrift vorgelegt wurde. Erst dann dürfen Sie siegeln und den Eintritt damit für rechtsgültig erklären.
Sie können das natürlich für sich so locker handhaben, wie sie wollen, Frau Klee, wird Ihnen aber eine Pflichtverletzung nachgewiesen, tragen Sie die Konsequenzen.

Ich hab jetzt mal kurz von fünf Landeskirchen Broschüren zum Wiedereintritt durchgeschaut, bei den beiden hessischen weiß ich es auch so. Bei allen muss ein Personalausweis mitgebracht werden, eine Taufurkunde oder ersatzweise die Konfirmationsurkunde, aus der das Datum der Taufe hervorgeht (deshalb gehört das auch immer auf die Konfirmationsurkunde, liebe Kolleg*innen) oder der Eintrag aus dem Stammbuch der Eltern (sofern er erfolgt ist) oder ein Taufschein aus der Gemeinde, in der die Taufe damals vollzogen wurde. Und - wenn möglich - auch der Austrittsbeleg.
Klar nimmt man in der Amtsroutine auch mal den leichten Weg und nimmt's nicht zu genau mit den Unterlagen,- gerade bei den Leuten, die man eh schon länger kennt. Wenn aber der Eintrittswillige schon selbst kundtut: "ich bin mir da nicht sicher und die Unsicherheit belastet mich", dann sollte man erst einmal die Unsicherheit beseitigen helfen und nicht mit einem Taufgedächntnis ein Pflaster drüber kleben unter dem die Wunde trotzdem weiter schwärt.

Ja, das mit dem Wiedereintritt wird in jeder Landeskirche sehr unterschiedlich gehandhabt. In unserer Landeskirche ist tatsächlich nur ein Gespräch mit einem Pfarrer oder einer Pfarrerin vorgesehen und das Ausfüllen eines Formulars, bestenfalls gibt es natürlich schon eine Taufurkunde. Durch unser kirchliches Meldewesen können wir aber auch nachvollziehen, wer getauft (und ausgetreten) ist. Denn darin sind alle (auch ehemalige) Kirchenmitglieder registriert. Das ist bei uns sehr unkompliziert und kann in jeder Kirchengemeinde erfolgen. Leider passiert es hier immer mal wieder, dass durch das Meldeamt Menschen ein-und austreten, weil sie vergessen haben an der richtigen Stelle das Kreuz zu setzen. Sicherlich ist da aber die Rechtssprechung in manch anderen Landeskirchen genauer. Was aber nicht geht, ist jemand zweimal zu taufen - solange es nicht entsprechende Beschlüsse gibt. Oben schlage ich ja aber auch genau das vor, sich die Rechtssicherheit zu besorgen und einen Taufgottesdienst zu feiern. So würde ich es zumindest machen. Denn wenn nicht nachgewiesen werden kann, dass sie schon getauft wurde, würde ich - so wie Sie auch - mit entsprechender Genehmigung eine Taufe durchführen. Aber das kann leider nur die Ortsgemeinde samt Kirchenleitung entscheiden - und laut Fragesteller*in hat diese das abgelehnt. Daher habe ich auf die Möglichkeit der Tauferinnerung verwiesen, was in ähnlichen Situationen von Kirchengemeinden genutzt wird.

Vielen Dank für die ausführlichen Antworten!
JA, es ist mir wichtig, Klarheit zu bekommen, ob die Taufe vollzogen wurde! Ich lebe und fühle christlich, meine Arbeit verrichte ich im Glauben und christlichem Handeln so gut ich es in meiner Unvollkommenheit kann. Mein Mann und unsere Kinder sind getauft und sicher in der Gemeinschaft verwurzelt.
Auch ich möchte diese Wurzeln verankern, für mich ist es mehr als eine symbolische Geste. Es treibt mich um.
Liebe Bürogratia und liebe Frau Klee, auch ich würde mir wünschen, dass Kirchenleben und Gemeinschaft in manchen Dingen einfacher wären, pragmatischer mit manchen Problemen umgegangen würde und die Menschen sich wieder eingeladen fühlen ein Teil der Kirche zu werden und bleiben.
Ich versuche über Ihre Ideen etwas herauszufinden. Drücken Sie mir die Daumen!
Herzlich,
Marina

Hallo Marina, danke für die Rückmeldung! Ich finde es auch wirklich schade, dass sich da in Ihrer Heimatgemeinde kein Weg ergeben hat. Vielleicht können Sie sich auch einmal an das Dekanat / die Propstei wenden? Ich finde es sehr traurig, dass da so viel Verantwortung bei Ihnen liegt. Ich würde es Ihnen anders wünschen. Ich bin aber sicher: Vor Gott sind sie Christin! Und das mit Ihrem ganzen Herzen.

Beste Grüße,

Johanna Klee

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