Geboren von der Jungfrau Maria?

Gefragt von Lutz Felbick
Betende Menschen

© FatCamera/istockphoto/Getty Images

Das Credo wird gelegentlich auch als Symbolum bezeichnet. In der Tat handelt es sich beim Credo um ein symbolisches Reden. Aber Symbole machen nur Sinn im historischen Kontext. Warum halten Sie am Symbol der jungfräulichen Geburt fest? Dieser Text wird üblicherweise im Gottesdienst ohne Erläuterungen gesprochen, wobei das Singular des Wortes "Credo" wenig Sinn macht, denn das Credo wird auch bei den Protestanten von oben (von Gott?) der ganzen Gemeinde vorgegeben.

Lieber Herr Felbick,

wo fange ich an? Vielleicht mit dem Singular. "Credo" heißt tatsächlich "Ich glaube". Trotzdem wird es im Gottesdienst gemeinsam von allen Anwesenden gesprochen. Allerdings ist das kein Widerspruch. Schließlich kann jede Person doch nur für sich selbst sprechen. Und wenn das "im Chor geschieht", wird daraus eine Gemeinschaft, die den gemeinsamen Glauben bekundet.

Punkt zwei soll dem "von oben von Gott" gelten: Die Glaubensbekenntnisse (wir haben ja durchaus mehrere in unser Kirche) sind in langwierigen Diskussionsprozessen entstanden. Jedes Bekenntnis, auch das von Ihnen angesprochene Apostolikum, hat also eine Geschichte, in der man sich auf das einigte, was man eben als Grundlage des gemeinsamen Glaubens bekennen will. Sie sind also in keiner Weise "von oben" formuliert worden, und schon gar nicht von Gott.

Dann "Symbole machen nur Sinn im historischen Kontext". Ich verstehe leider nicht, wie Sie darauf kommen. Symbole weisen auf etwas anders hin. Sie weisen über sich selbst weit hinaus bis hin in eine Bedeutung, die in keiner Weise historisch sein muss. Kaum eine Annahme, die wir über die biblischen Geschichten machen, wird von unabhängigen historischen Quellen bezeugt. Trotzdem ist das Kreuz das Symbol für Jesus Christus, das Christentum selbst, für die Überwindung des Todes, für die Erlösung der Menschheit von unserer Sündhaftigkeit, und so weiter und so fort.

Dass Jesus an einem Kreuz starb, steht so in der Bibel. Ebenso, wie die Tatsache, dass Maria eine Jungfrau war, als sie vom Heiligen Geist schwanger wurde. Nur weil Ihnen das eine wahrscheinlicher vorkommt als das andere, bedeutet doch beides sehr viel. Die Jungfrauengeburt kann man als unhistorisch ablehnen. Ich frage mich allerdings, warum so viele Leute ausgerechnet mit diesem Teil des Glaubensbekenntnisses Schwierigkeiten haben. Was ist mit der Himmelfahrt? Was ist mit dem Jüngsten Gericht? Was ist mit der Auferstehung der Toten? Was ist mit all den Aussagen des Glaubensbekenntnisses, die denen, die nicht glauben, eben "unglaublich" erscheinen?

Das Credo versucht die gesamte Botschaft des Christentums zusammenzufassen. Wer es spricht, misst den einzelnen Aussagen eine große Bedeutung für das eigene Leben bei. Wenn ich sage, ich glaube, dass Maria vom Heiligen Geist schwanger wurde, sage ich damit: Jesus war ganz direkt göttlich. Das kann man natürlich nicht jedes Mal erläutern, wenn man zusammen das Glaubensbekenntnis spricht, aber dafür haben wir schließlich den Tauf-, beziehungsweise den Konfirmationsunterricht. Da gehören die Erläuterungen hin.

Ich grüße herzlich und hoffe, dass Sie mit meiner Antwort etwas anfangen können.

Frank Muchlinsky

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