Ausstellung: Körperwelten und ein christliches Menschenbild?

gestellt von Melani Theivendran am 24. Juni 2019

Hallo,
ich setze mich seit kurzem mit der Ausstellung Körperwelten auseinander. Hierbei interessiere ich mich stark dafür, inwiefern bzw. ob diese überhaupt mit dem christlichen Menschenbild vereinbar ist? Was spricht dafür und was dagegen?
Vielen Dank im Vorraus!:)
LG Melani

Liebe Melani, 

leider habe ich die Ausstellung "Körperwelten" bisher nicht besucht und kann deshalb nicht umfangreich antworten. Ich möchte aber trotzdem, auf der Grundlage des Online-Auftritts der Ausstellung, eine Antwort versuchen. Vielleicht können Sie mir in den Kommenatren zu dieser Frage, noch zurückmelden, wo genau Ihre Bedenken bestehen. 

Auf der Webseite heißt es: 

"Dabei geht es den Ausstellungsmachern nicht nur um anatomische Wissensvermittlung. Vielmehr wollen sie den Besucher anregen, bewusst zu leben, stärker auf die eigene Gesundheit zu achten, die Möglichkeiten und Grenzen des Körpers zu erkennen und über den Sinn des Lebens zu reflektieren."

(https://koerperwelten.de/ausstellungen/menschen/

Gegen anatomische Wissensvermittlung sehe ich keinen christlichen Einwand, den diese bezieht sich auf den Teil des Körpers, den Paulus als "Fleisch" bezeichnet hat. Das Fleisch und damit die Anatomie unseres Körpers zu kennen, beschreibt zwar bei Weitem noch nicht den Mensch als Ganzen, zielt ja aber auch nicht darauf ab. Über die Seele und den Geist, die uns als Menschen ebenso ausmachen, können wir in der Anatomie nichts finden. Dazu braucht es theologische Interpretation. Insofern ergänzen sich die Ausstellung und eine christliche Ethik sehr gut. 

Genauso sehe ich es mit den anderen Ansprüchen, die die Ausstellung an sich selbst stellt: bewusstes Leben, achten auf die eigene Gesundheit und Möglichkeiten und Grenzen des Körpers erkennen, sind Ansprüche, die wir in einem christlichen Umgang mit unserem Körper, der als Gottesebenbild geschaffen ist (Gen 1,27), ebenso verfolgen. Allein bei der Sinnfrage würde ich aus christlicher Sicht einhaken. Denn allein über den Körper den Sinn des menschlichen Lebens zu erklären, scheint mir zu kurz gedacht. Es gibt viel mehr Komponenten, die für die Beantwortung dieser Frage eine Rolle spielen. Ein Ansatzpunkt dafür ist z.B. unser christliches Menschenbild, das auf der Gottesebenbildlichkeit beruht. Aber auch andere Ideen und Vorstellungen haben Einfluss auf den Sinn des Lebens. 

Was spricht denn Ihrer Meinung nach dafür und was spricht dagegen? Wo zweifeln Sie? Vielleicht kann ich dann, ohne die Ausstellung gesehen zu haben, genauer darauf antworten. 

Viele Grüße

Pia Heu 

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Kommentare

Auch ich habe die Ausstellung Körperwelten nicht gesehen und habe es auch nicht vor, sie zu besuchen. Dabei bin (schon beruflich) an Anatomie interessiert und finde das Ziel, dass Menschen sich durch die Beschäftigung mit dem Wunder des menschlichen Körpers auch mehr um ihre Gesundheit kümmern sollten durchaus erstrebenswert. Aber was für mich einfach gar nicht geht ist die Zurschaustellung "echter" Menschen bzw. menschlicher Strukturen. Auch wenn sie plastiniert sind so bleiben es doch reale menschliche Körper. Und heutzutage muss es möglich sein anatomische Strukturen interessant und für eine breite Öffentlichkeit verständlich darzustellen, aber eben nicht mit wirklichen Menschen. Mir sträubt sich da innerlich alles dagegen, nicht weil ich besonders christlich denken würde, sondern einfach nur von meiner ethischen Einstellung her. Ein toter Mensch sollte seine Totenruhe haben...auch die Körperspender werden letztendlich würdevoll bestattet. Und die Ausstellung bedient eindeutig auch Voyeurismus und ähnliche fragwürdige Gefühle. Denn ich behaupte, dass eine Ausstellung mit Plastinaten, die genauso perfekt die Anatomie darstellen, aber nicht auf der Basis echter Menschen hergestellt würden niemals diese Anziehungskraft hätten, auch wenn der Laie den Unterschied nicht erkennen könnte.

Liebe Frau Pia Heu,
Ich bedanke mich herzlichst für Ihren Versuch die Frage zu beantworten.
Die Frage, die mich in Bezug auf die Ausstellung vor allem beschäftigt ist:
Welche Bedeutung hat unser Körper nach unserem Tod bzw.
Dürfen wir uns plastinieren lassen und somit eine neue Art von „postmortale Existenz“ im Diesseits schaffen? Ist dies mit den christliche Vorstellungen vereinbar?

Vielen Dank im Vorraus!
Liebe Grüße
Melani

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