Habe ich Gott versucht?

gestellt von Anonym am 26. November 2019
Glaube im Alltag

©REHvolution.de/photocase

Hallo,
ich bin neulich auf der Autobahn Richtung Schule gefahren, dabei ist mir in den Sinn gekommen, Gott zu fragen, ob es ihn wirklich gibt. Ich habe beim Fahren mehrmals für 10 Sekunden meine Augen geschlossen und darum gebeten, dass er, wenn es ihn gibt, nichts passieren soll.
Im Nachhinein habe ich das sehr bereut, denn ich glaube, dass das schon als Versuchung Gottes gilt. Ich bin generell sehr kleingläubig. Mir tut das so leid. :( Ist das überhaupt noch verzeihlich?

Lieber Anonymer, liebe Anonyme,

ich weiß nicht, was ich zuerst schreiben soll: Dass ich froh bin, dass Sie noch am Leben sind? Dass das eine wirklich bescheuerte Idee war? Oder dass Gott Ihnen selbst das vergibt? Zum Glück ist Gott anders als wir Menschen. Wenn ich an seiner Stelle gewesen wäre, hätte ich vielleicht gedacht: „Du willst wissen, ob es mich gibt? In zehn Sekunden stehst Du vor mir und kannst dich überzeugen!“

Es gibt in der Geschichte der Menschheit viele Versuche, Gott zu beweisen, oder ihn sozusagen aus der Reserve zu locken. Keiner hat funktioniert. Dabei ist Ihr Ansatz im Grunde genommen nicht ganz falsch gewesen: An Gott zu glauben, heißt Gott zu vertrauen. Sie haben ja im Prinzip gesagt: „Gott, ich vertraue dir, dass du mich in diesen 10 Sekunden bewahrst vor einem Unfall.“ Aber was wäre denn gewesen, wenn Sie einen Unfall gehabt und ihn überlebt hätten? Wäre das ein Beweis gewesen, dass es Gott nicht gibt? Oder wäre es lediglich ein Beweis dafür gewesen, dass Gott sich nicht erpressen lässt?

In der Bibel steht eine Geschichte, in der es um genau diese Sache geht. Jesus geht in die Wüste, um dort zu fasten. Nach 40 Tagen begegnet er dem Teufel, der ihn zu verführen versucht. Er fordert Jesus zuerst dazu auf, aus Steinen Brot zu machen, dann führt er ihn auf die höchste Mauer des Tempels in Jerusalem und sagt: „Bist du Gottes Sohn, so wirf dich hinab; denn es steht geschrieben: »Er wird seinen Engeln für dich Befehl geben; und sie werden dich auf den Händen tragen, damit du deinen Fuß nicht an einen Stein stößt.«“ (Mat 4,6) Jesus tut das nicht. Stattdessen sagt er: „Wiederum steht auch geschrieben: »Du sollst den Herrn, deinen Gott, nicht versuchen.«“ (Mat 4,7)

Das haben Sie tatsächlich getan: Sie haben Gott versucht, und ich halte es durchaus für angemessen, dass Sie sich deswegen nun schämen, denn Sie haben nicht nur sich selbst, sondern auch andere in Gefahr gebracht. Nun zu Ihrer Frage: Ja, selbst das ist verzeihlich bei Gott. Es ist nicht schlimm, sich kleingläubig zu fühlen und Zweifel zu haben. Und manchmal macht man aus solchen Gedanken heraus wirklich dumme Sachen. Das nächste Mal, wenn Sie ins Grübeln kommen und an Ihrem Glauben zweifeln, reden Sie mit anderen darüber! Das hilft wirklich, und dabei kann es sogar geschehen, dass Sie die Gegenwart Gottes spüren.

Ich wünsche Ihnen von Herzen alles Gute und halten Sie die Augen offen!

Frank Muchlinsky

Fragen zum Thema
06.10.2018 - 01:27
Glauben und Zweifeln - ganz oder gar nicht?! Liebe Rebekka, vielen Dank für deine ausführliche Nachricht und den Bericht über das, was…
13.08.2019 - 17:56
Markus 4,12: Einige sollen nicht gerettet weden? Lieber Friedhelm, ich kann gut nachvollziehen, dass Sie mit der Aussage in diesem Vers…
03.08.2019 - 06:14
Warum erklärt die evangelische Kirche Transsexualität zur Schöpfungsvariante? Liebe Susann, Danke, dass Sie in aller Ausführlichkeit Ihre Gedanken mitgeteilt haben!…

Neuen Kommentar schreiben