Wie umgehen mit Höhen und Tiefen im Glauben?

Gefragt von Tim Gänger

Guten Abend Frau Klee,

Was den christlichen Glauben angeht, beschäftige ich mich damit seit meiner abgebrochenen Konfirmation vor 6 Monaten. Jetzt bereue ich es, sie abgebrochen zu haben, da ich gemerkt habe, wie fantastisch der christliche Glaube ist. Ich habe allerdings das Problem, dass ich immer wieder vom wieder entdeckten Glauben abfalle, obwohl ich doch so gerne glauben würde. Es ist nicht einfach, wenn man von den Eltern keine Selbstverständlichkeit in Sachen Glauben mitgegeben bekommt. Wenn man dann noch im Umfeld ständig hört, wie irrational und unlogisch der Glaube in der "aufgeklärten" Welt ist, macht es das nicht unbedingt einfacher. Meine eigentliche Frage ist: wie ich einen beständigen Glauben bekommen kann, denn im Moment lese ich die Bibel, bin sehr begeistert und am nächsten Tag Zweifel ich an der Existenz Gottes, ein ständiges Hin und Her und so geht das schon seit Wochen. Ich glaube, ich denke zu sehr mit dem Kopf und suche für mich Beweise, obwohl ich natürlich weiß, dass Gott nicht damit zu erfassen ist. Es tut mir leid, daß ich so viel drum herum rede, aber was kann ich machen um einen beständigen Glauben an Gott zu haben? Ich bin ratlos, vielleicht können Sie mir helfen?

Liebe Grüße Tim (16)
und einen guten Start in die Woche.

Lieber Tim,

du machst dir viele Gedanken um deinen Glauben und ich spüre, wieviel Leidenschaft und Ernst in dir brennt. Ich glaube, mit deinen Fragen bist du nicht allein. Viele Menschen haben sich genau die Fragen gestellt, die du auch hast. Solche Zweifel gehören einfach dazu. In der Bibel findst du viele Personen, die sich die gleichen Fragen gestellt haben. Jakob, Mose und Elia haben immer wieder mit Gott gerungen. Manchmal waren sie ganz stark und konnten Gott blind vertrauen, am nächsten Tag haben sie mit Gott gestritten, weil sie so wenig von ihm spürten.

Mir haben auf meinem Weg zwei Dinge geholfen, gerade dann, wenn es schwer war, Sicherheit zu bekommen. Denn auch meine Familie ist nicht christlich und ich bin in einem nicht-religilösen Umfeld aufgewachsen, daher war auch mein Glaubensweg ein ständiges Auf und Ab: Zum einen habe ich mir die Zweifel erlaubt. Ich habe mir selber den Freispruch gegeben, Zweifel an der Existenz Gottes zu haben. So paradox das erscheinen mag, genau das hat mir die Leichtigkeit gegeben, zu Gott zurück zu finden, weil ich nicht mehr gegen mch selbst arbeiten mussten. Zum anderen habe ich mir regelmäßige Routinen gegeben, sei es jeden Morgen die Losung zu lesen, den Abend mit einem Gebet abzuschließen, oder täglich in der Bibel zu lesen. Wenn du magst, schau mal nach der App XCRS. Dort findest du sehr verschiedene Impulse, die dir helfen können. Manchmal bin ich mit vollem Herzen dabei, manchmal mache ich es aus Routine. Und dann kommt irgendwann auch die Sicherheit zurück. Vielleicht findest du in deiner Ortsgemeinde auch eine Jugendgruppe, der du dich anschließen kannst. Manchmal treffen sich solche Gruppen auch digital, z.B. bei Discord.

Übrigens: es ist kein großes Problem, eine unterbrochene Vorbereitung auf die Konfirmation wieder aufzunehmen. Das kommt immer wieder vor. Du kannst dich jederzeit an deine Ortsgemeinde wenden, um dich doch noch konfirmieren zu lassen. Das ist auch im Erwachsenenalter möglich,

Gottes Segen für dein Suchen und Finden!

Herzliche Grüße,
Johanna & Sebastian Klee

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