Verhalten bei katholischem Gottesdienst

gestellt von Sabrina am 2. Oktober 2020
Oblate bei der Eucharistiefeier

©epd-bild / Matthias Rietschel

Guten Tag,
folgende Situation: Die Mutter meines Partners ist streng katholisch und gläubig.
Aus diesem Grund feiert sie ihren 60. Geburtstag am Sonntag im Dom in Worms (Euchastiefeier oder so ähnlich, mit einer Lesung für sie). Jetzt ist dort die ganze Familie eingeladen und es ist ihr sehr wichtig, dass alle kommen. Ich selbst bin allerdings evangelisch, wenn auch nicht streng.

Ich fühle mich bei dem Gedanken an den Besuch einer anderen Kirche schon unwohl. Wie soll ich mich verhalten? Muss ich mich aus Respekt gegenüber der Katholiken beim Gebet hinknien etc.? Irgendwie widerstrebt mir das alles. Ich möchte aber auch nicht respektlos erscheinen. Wie verhält man sich richtig? Genauso wenig möchte ich meinen Glauben an die katholische Kirche o. ä. bekunden. Kann ich dann einfach still dasitzen/stehen? Singe ich die normalen Lieder mit oder stelle ich mich einfach den ganzen Gottesdienst über tot etc?
Ich weiß nicht was mich genau erwartet, aber es bereitet mir schon etwas Bauchweh.

Wie soll ich mit der Situation umgehen? Absage und später kommen ist leider keine
Option, außer ich will, dass seine Mutter kein Wort mehr mit mir wechselt.

MfG

Sabrina

Liebe Sabrina,

ein runder Geburtstag, was für eine schöne Gelegenheit sich zu treffen und auch ein Anlass all das vor Gott zu bringen, was einem im Leben so begegnet ist. Der Mutter Ihres Partners scheint das wichtig zu sein, daher wohl der Gottesdienstbesuch im Rahmen der Geburtstagsfeier.

Nach dem Lesen Ihrer Nachricht vermute ich, dass es Ihre Premiere ist, im Hinblick auf einen katholischen Gottesdienst. Wenn wir Dinge zum ersten Mal erleben, ist das ja manchmal wie eine Blackbox. Man fragt sich, was einem wohl genau begegnen wird und es können schnell Ängste aufkommen, ob man wohl in der Lage ist sich „richtig“ zu verhalten oder zumindest so, dass man nicht auffällt.

Ich möchte Sie trotzdem gern dazu ermutigen, dieser Gelegenheit mit mehr Neugier und vielleicht sogar Lust entgegenzusehen. Sie werden so einiges entdecken, was Sie aus evangelischen Gottesdiensten kennen: das Vaterunser, den Gemeindegesang, den Segen uvm. Vielleicht wird es sogar das ein oder andere geben, was Sie nicht kennen, was Ihnen aber trotzdem ganz gut gefällt.

Mir geht es so, dass ich gern mal in eine Synagoge gehe, in einen katholischen Gottesdienst oder zu anderen religiösen Feiern. Kürzlich habe ich einem Muslim bei der Koran-Rezitation zugesehen und mich hat sehr berührt, dass ich, obwohl ich seine Sprache garnicht verstehe, das tiefe Gefühl hatte, dass das, was er da voller Hingabe tut, irgendwie auch etwas mit dem zu tun hat, wie es ist, wenn ich mit anderen Gottesdienst feiere. Wenn ich in Veranstaltungen von anderen Religionen oder Konfessionen bin um deren Feiern mal kennenzulernen, dann ist es in manchen Momenten so, dass ich richtig mitfeiere und manchmal schaue ich interessiert zu, immer so, wie es sich für mich gerade richtig anfühlt.

Paulus schreibt in 2. Kor 3,17: „Wo der Geist des Herrn ist, da ist Freiheit.“ In dieser Freiheit leben wir als Christinnen und Christen und können uns daher auch mit dieser Neugier anderen Religionen und Konfessionen nähern und vielleicht sogar das ein oder andere von ihnen lernen.

Möglicherweise hilft es Ihnen, wenn Sie Ihren Partner oder seine Mutter mal vorher fragen, wie der Gottesdienst abläuft. Vielleicht könnte es sogar ganz gut sein, wenn Sie mal ansprechen, dass Sie etwas unsicher sind. Davor, dass jemand es merkwürdig findet, wenn Sie nicht genau wissen, wann man aufstehen muss oder was wann gesprochen wird, brauchen Sie keine Angst zu haben. Als Pfarrerin freue ich mich immer, wenn ich Menschen zum ersten Mal im Gottesdienst sehe und das wird der katholischen Gemeinde sicher auch so gehen.

Wann Sie mitmachen und wann Sie einfach zusehen, entscheiden Sie ganz allein. Alles, was sich für Sie richtig anfühlt, darf sein. Ich wünsche Ihnen einen schöne Feier mit interessanten und bereichernden Erfahrungen.

Herzlich

Katharina Scholl

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